Vienna Capitals vs Red Bulls Salzburg – 16.2.2016 7


Nur noch zwei Heimspiele trennen uns jetzt von der fünften Jahreszeit und in der Länderspielpause hat sich einiges getan. Auf Salzburger Seite wurden (man bedenke bitte, dass dort der österreichische Nationaltrainer hinter der Bande steht) Ersatzgoalie Weinhandl und Viertliniencenter Brucker für den aus Südtirol kommenden finnischen Goalie-Oldie Riksman gestrichen und bei den Wienern verabschiedete sich letztendlich Kurtis McLean in Richtung Wolfsburg. Dafür durfte Niki Hartl im Kader bleiben bzw. feiert Sven Klimbacher heute sein Comeback. Aus dem Wiener Lazarett meldeten sich erfreulicherweise auch noch Lawson, Bois und auch Whitmore zurück, dafür wütet angeblich ein Grippevirus im Team und es gibt den einen oder anderen neuen angeschlagenen Spieler. Nicht mit dabei sind heute allerdings nur… Trommelwirbel… Rotter und Grosslercher. Mögen die Spiele beginnen…
 

1. Drittel:

Das Spiel begann gleich einmal mit einer guten Chance der Caps, die ein 2-gegen1-Break leider nicht nützen konnten. Fast im Gegenzug wurde nach Fraser-Fehler an der Bande Goalie Lawson in Stich gelassen, Aquino stocherte (eventuell haltbar) Ledins Schuss aufs kurze Eck aus kurzer Distanz ein – ein Tor, das Lawson extrem zu ärgern schien, denn allem Anschein nach teilte er bei einem Kurzabstecher zur Spielerbank den einen oder anderen „Anschiss“ aus – es sah kurz sogar danach aus, als ob sich Kickert seine Maske aufsetzen würde… naja, Lawson eben, Sonnenschein ist anders. Aber zurück zum Spiel, bald nach dem Gegentreffer setzte sich Michi Schiechl mit einem „Solodribbling“ gegen mehrere Salzburger durch, wurde aber zurückgepfiffen – zu Recht, denn Fischers Stockschlag war zu ahnden. Die Unterzahl wurde unbeschadet überstanden und in Minute 8 bot sich dann auch den Wienern die erste Powerplaychance (Trattnig musste hinaus). Diese machten es besser, bereits nach 5 Sekunden hieß es 1:1: Fraser hämmerte den Puck an die Stange und dieser rutschte via Gracnars Rücken über die Linie. Offizieller Torschütze scheint Kapitän Ferland zu sein, aber von meiner Position sah es nicht so aus, als ob er noch an der Scheibe war. 11. Spielminute, Großchance unserer vierten Linie und mir ist unklar, wie Bolterle das Tor da NICHT machen konnte… liegt aber vielleicht an meinem Blickwinkel. In Minute 15 dann ein Salzburger Konter über Brett Sterling. Dieser traf auch die Stange und verwertete dann auch den Rebound, weil die Caps kollektiv zu langsam reagierten – toll gemacht! Gleich darauf tauchte erneut unser Vierersturm gefährlich vor Gracnar auf, der diesmal Sieger blieb. Das läutete eine Wiener Schlussoffensive ein und diese war in Minute 18 auch von Erfolg gekrönt – über Bois kam der Puck zu Gamache und dessen Schuss-Pass fand via Sharps Schläger den Weg ins Salzburger Gehäuse. So hieß es nach diesem recht kurzweiligen Eröffnungsdrittel 2:2, ein Spielstand, mit dem beide Mannschaften meiner Meinung nach gut leben konnten.
Luciano Aquino

Aquino eröffnet nach 67 Sekunden den Torreigen

 

2. Drittel:

Das Mitteldrittel begann mit einem Powerplay für die Mozartstädter. Ein Missverständnis zwischen Nödl und Ferland führte zu einer gerechtfertigten 6-Man-on-Ice-Strafe, da wird Nödl wohl eine Runde zahlen „dürfen“. Die Salzburger zogen das Überzahlspiel geduldig und durchdacht auf und nach einer sehr schönen Komarek-Vorlage traf Brian Fahey aus der Halbdistanz zur erneuten Salzburger Führung. Jetzt erlebten wir einige starke Minuten der Salzburger, die schließlich sogar zum 2:4 führten. Nach einigen Wiener Fehlern und einer zumindest grenzwertigen Behinderung an einen Caps-Spieler konnte Aquino (wieder nach tollem Pass von Komarek) völlig freistehend ins fast leere Tor einschießen. Danach fingen sich die Wiener aber wieder, in Minute 30 lief dann Phil Lakos alleine auf Gracnar zu und traf leider nur die Stange. Quasi im direkten Gegenzug scheiterte Hughes alleine vor Lawson an dessen Schulter und wieder nur wenige Sekunden danach fand dann Andi Nödl eine gute Einschusschance vor, wurde allerdings von Viveiros regelwidrig behindert. Das daraus resultierende Überzahlspiel brachte mir ein Déjà-vu, denn wie in Minute 8 zog Fraser von der blauen Linie ab und wie damals könnte Ferland noch mehr oder weniger entscheidend an der Scheibe gewesen sein. Jedenfalls wird auch hier unser Kapitän offiziell als Torschütze geführt. Minute 33, Michi Schiechl goes wild – kleiner Disput mit Dominik Heinrich, nix tragisches aber Schiechl sauer ohne Helm… hat was! Und der Michi, heute schon von Beginn an sehr auffällig, war nach seinen 4 Minuten Zwangspause sofort wieder mittendrin statt nur dabei. Bolterle erkämpft sich hinter den Salzburger Tor den Puck, bringt diesen als No-Look-Pass (ehrlicherweise wird er später zugeben müssen, dass ihm der eher „passiert“ ist) zur Mitte wo Schiechl erstens wartete und zweitens diesen einfach stautrocken ins Tor hämmerte. Untypisch aber geil!. Im folgenden Torjubel fanden sich auch zwei Männer fürs Grobe zur „Aussprache“ zusammen – Ledin beendete diese im Gegensatz zu Bois liegend. Zwei Dritteln waren also gespielt, immer noch fühle ich mich bestens unterhalten und auch der Spielstand geht in Ordnung. Einzig die Laissez-Fair-Einstellung des Schiedsrichterteams macht mir zunehmend Sorgen, denn immer öfter bildeten sich „Freundschaften“ auf dem Eis. Für Phil Lakos war das Spiel zu diesem Zeitpunkt übrigens bereits vorbei, nach einem Stockschlag von Sterling konnte er nicht mehr weiterspielen – ein Stockschlag mit schlimmen Folgen, aber davon hörte ich erst nach dem Spiel…
Zwischenzeitlicher Jubel der Bullen

26. Minute, Salzburger Jubel nach dem 2:4

 

3. Drittel:

Im Schlussdrittel ging es auch, wie befürchtet, hitzig weiter. Fahey fällte Goalie Lawson (nicht die erste Attacke auf unseren Goalie am heutigen Tag) und das rief die Herren Fraser, Ferland und in der Folge auch Sterling auf den Plan, denn so etwas gehört möglichst zeitnah „besprochen“. Dass Sterling so nebenbei Linesman Soos einen recht unfeinen Schlag verpasste… das wird sicher auch noch besprochen werden, andernorts. Wie Kollege Karlik vom Kurier bin ich schon (auch eingedenk des Schubsers von Rotter anno dazumal und der damals ausgesprochenen Strafe) gespannt darauf, wie die Herren vom „Department Of Players Saferty“ diese Aktion beurteilen. Aber zurück zum eigentlich wesentlichen, dem Spiel… das lief nämlich trotz der vielen Unterbrechungen recht ansehnlich ab. In Minute 43 vertändelte Zdenek Kutlak den Puck hinter dem eigenen Tor, Bois ließ sich nicht zweimal bitten, nahm dieses Geschenk an und seine Hereingabe verwertete MacGregor Sharp zum 5:4.
Jubel nach Sharps Gamewinner

Jubel nach Sharps 5:4, letztendlich der Game-Winner

Gleich drauf sahen wir die nächsten kleinen Unstimmigkeiten auf dem Eis, mittendrin Latusa, Fischer und Johnson. Zu Drittelmitte musste dann Peter in die Kühlbox (Stockschlag, no na) und Salzburg-Coach Ratushny nutzte dies auch gleich für ein Timeout. Es folgte allerdings eine souveräne Unterzahlvorstellung, bei der sich vor allem Michi Schiechl in den Vordergrund spielen konnte. 55 Minuten waren gespielt, als Brett Sterling seinen nächsten unrühmlichen Auftritt hatte. Nach Lakos und Soos war diesmal Lawson sein Opfer – aber das „Opfer“ wehrte sich (Pflichtwatschen 1) und hatte Freunde (Pflichtwatschen 2 durch Fraser). Dann musste Gamache wegen „Haltens eines akut fallsüchtigen Salzburgers“ hinaus, was ihm augenscheinlich so gar nicht gefiel. Dasselbe widerfuhr Sekunden später auch dem Salzburger Komarek, wodurch wieder ausgleichende (Un)gerechtigkeit hergestellt wurde. Salzburg drückte jetzt mit dem Mute der Verzweiflung (und ohne Goalie) auf den Ausgleich, der Abwehrriegel der Wiener hielt diesem Schlussangriff allerdings wie auch zuletzt in Salzburg stand.
Ja, und dann war das Spiel aus, Zeit für „Brot und Spiele“. Ausgehend von Danny Bois, der sich Sterling zu einer finalen Aussprache schnappen wollte (und dabei scheiterte) entwickelten sich einige nette kleine Scharmützel, etwa zwischen Dzieduszycki und Heinrich oder Dzieduszycki und Komarek, der Heinrich direkt von der Strafbank zu Hilfe kam, sich aber alsbald am Boden des Kabinengangs wiederfand. Sogar Gracnar wollte dem Spaß aktiv beiwohnen, wurde von Bois aber wieder sanft in seine Spielhälfte begleitet. Um weiteres zu verhindern unterbanden die Refs schließlich das kollektive Shakehands und schickten die Salzburger vom Eis – das habe ich (Achtung: „Gaudet-Sprech“!) in 28 Jahren Eishockey (außerhalb der Playoffs) noch nie gesehen! Auch abseits des Eises hat sich, Detail am Rande, einer der Salzburger Betreuer reichlich daneben benommen und eine Flasche ins Publikum geschmissen… sehr sonderbare Stimmung für ein Pickround-Schaulaufen.
Tumult

Tumulte sogar noch nach dem Schlussgong

 

Endstand: EC UPC Vienna Capitals 5 : EC Red Bulls Salzburg 4

 

Lineup der Caps:

Lawson

Milam – Iberer
Fraser – P. Lakos
Cuma – Peter
Klimbacher – Hackl

Gamache – Sharp – Bois
Nödl – Dzieduszycki – Ferland
Fischer – Johnson – Whitmore
Bolterle – Schiechl – Hartl

Salzburg:

Gracnar

Kutlak – Trattnig
Heinrich – Viveiros
Connelly – Fahey

Sterling – Duncan – Hughes
Ledin – Komarek – Aquino
Kristler – Walter – Hochkofler
Baltram – Rauchenwald – Latusa

 

Mannschafts- und Einzelkritiken:

Caps:

Ich gebs zu, ich habe mir nach den Medienberichten über angeschlagene und kranke Spieler und aufgrund der eigentlichen (sorry) Unbedeutendheit dieses Spieles nicht sehr viel erwarten, vor allem nicht ein Caps-Team (eigentlich beide Teams), das derart unter Strom steht und WILL – so kann man sich täuschen. Schauen wir uns also einmal die Offense der Hausherren an… Da Raphi Rotter heute fehlte musste unser spielstärkster Sturm umgebaut. Ich hab in diesem Zusammenhang mit Johnson gerechnet, Boni hat mich aber mit Bois am rechten Flügel überrascht, was dieser Linie eine etwas andere, durchaus interessante Spielcharakteristik verleiht. Dass dieses Trio für insgesamt 5 Scorerpunkte sorgte (unter anderem Sharps Game-Winner) gibt dem Trainer recht, wobei Bois… also gewisse Dinge könnte er sich schenken. Jonathan Ferland hatte heute seinen stärksten Tag seit langer Zeit und bestach vor allem durch Führungskraft und Stellungsspiel. Seit er neben Dzieduszycki spielt blüht der Kapitän merklich auf – auch weil Andi Nödl im Hintergrund sehr viel Schmutzarbeit erledigt. Schön langsam scheint diese Linie zu funktionieren, im Hinblick auf die Playoffs sehr wichtig. Der Dreiersturm war irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch. Johnson ist bemüht, scheint aber verständlicherweise ab Drittelmitte immer mit Konditionsproblemen zu kämpfen. Fischer spielte gewohnt kampfkräftig, wirkt derzeit allerdings ähnlich behäbig wie Ferland, aber ohne dessen Stellungsspiel. Und Whitmore… naja, der kämpft nach seiner zweiten Verletzungspause sehr mit der Form. Die vierte Linie war dafür heute die große Überraschung. Michi Schiechl war sowieso eine der treibenden Kräfte auf dem Eis, heute auch offensiv, aber vor allem in der Unterzahl bärenstark und augenscheinlich extremst motiviert. Hartl spielte brav und oft seine Schnelligkeit aus (die ruhe fehlt ihm leider oft) und Bolterle agiert sowas von rotzfrech. Wenn der No-Look-Assist geplant war… war er aber nie und nimmer 😉
In der Defense war das Duo Milam und Iberer wie zuletzt meist das solideste, die „Schlagzeilen“ schrieben aber andere. Da war etwa Jamie Fraser, der zwei Tore erzielte bzw. fast erzielte (da benötige ich Videostudium), gleichzeitig hinten aber leider wieder ein großer Unsicherheitsfaktor war. Oder Sven Klimbacher, der nach langer Pause ein wirklich grundsolides Comeback feiern konnte. Den guten Sven werden wir auch brauchen, denn die traurige Headline gehört diesmal Phil Lakos. In Minute 30 noch als „Stürmer“ mit einem Stangenschuss auf dem Eis fand er sich wenig später auf dem OP-Tisch wieder. Ein Stockschlag von Sterling traf ihn derart blöd an der Hand, dass er zur Stunde um den Fortbestand (bzw. zumindest die volle Genesung) seines kleinen Finger bangen muss. Von Fingerversehrten zu Fingerversehrten: Kopf hoch, Phil!!! Cuma, Peter und (zwar mit wenig Eiszeit) auch Hackl spielten eher unauffällig und ohne große Fehler (Aquinos zweiten Treffer einmal ausgenommen.
Gamache

Heute „nur“ ein Assist, dafür sehr heißblütig – unser Simon

 

Salzburg:

Unbestritten, dass Salzburg eine große Anzahl an wirklich guten Eishockeyspielern hat und zumindest einer davon hat zusätzlich noch ganz andere Qualitäten. Brett Sterling, als Spieler ungefähr genau das, was ich mir für die Capitals wünschen würde (technisch stark, recht guter Eisläufer, trickreich und überaus torgefährlich) bringt auch in Bezug auf versteckte Fouls und Provokationen einiges an Talent mit. Seinen Stockschlag an Lakos möchte ich als Unfall abtun, seinen Rempler an Lawson als (diesmal missglückte) Provokation und seine Attacke auf Linesman Soos… na da enthalte ich mich der Stimme uns schau mal was DOPS darüber denkt. Seine Linemates Hughes und Duncan wirkten heute für Ihre Verhältnisse relativ zahm, aber man weiß, was die beiden können. Aber auch die zweite Linie ist überaus interessant. Aquino war für mich heute der beste Salzburger, Ledin bringt die nötige Physis ein und Komarek spielt seit Wochen in absoluter Topform. Bei ihm frage ich mich allerdings, woher seine heutige übertriebene Aggressivität gekommen ist. In der dritten ist mir vor allem Kristler als positive Krätzn aufgefallen (quasi Welser-Rolle). Der Junge scheint langsam wieder fit zu werden, hoffentlich diesmal dauerhaft. Bei der vierten lagen die Vorteile heute allerdings bei Wien, Latusa ist derzeit leider nur ein Schatten vergangener Tage. Die Verteidigung der Salzburger hat einige Klasseleute in ihren Reihen, aber heute agierten diese zeitweise etwas sorglos. Kutlaks Fehler hinter dem Tor war hier der Gipfel. Heinrich ist Eisläuferisch sicher der beste heimische Verteidiger, es scheint allerdings, er sucht ein wenig nach seiner Form. Trattnig war ungewohnt lammfromm, richtig besonnen (das war ein Lob!) und Connelly ist zwar unauffällig, aber sehr solide. Am auffälligsten agierte hier noch Brian Fahey mit seinem Tor und seinem Foul an Lawson samt anschließendem Scharmützel mit Ferland. Viveiros gefällt mir gut, der Junge hat Potential.
Sterling

Ein toller Spieler, ein Riesen-Schlitzohr, manchmal gemeingefährlich: Brett Sterling

 

Goalies:

Nathan Lawson (32 Schüsse, 4 Gegentor, 87,50%) merkte man in der Anfangsphase seine Pause doch stark an, im Laufe des Spieles steigerte er sich aber und war gegen Ende wieder sowas wie ein Rückhalt. Das Spiel selbst schien allerdings ganz nach seinem Geschmack zu sein, da konnte er einige seiner Mätzchen auspacken und schien zum Schluss sogar Spaß zu haben (anfangs sah das noch anders aus).
Lawson fällt

 Heute immer mittendrin im Geschehen, unser Nathan

 
Luka Gracnar (33 Schüsse, 5 Gegentore, 84,85%) wirkte unglaublich verunsichert, ließ für seine Verhältnisse viel zu viele Rebounds zu und sein sonst so gutes Stellungsspiel war heute auch eher semioptimal. Auch er wurde gegen Ende stärker, scheint allerdings weit von seiner Galaform entfernt zu sein.
Gracnar (2)

Gracnar am Boden, heute stand er öfter neben sich

 

Man of the Match – Three Stars:

Einen Stern vergebe ich an MacGregor Sharp und Luciano Aquino. Ersterer funktioniert scheinbar auch ohne Rotter und erzielte zwei wichtige Tore (Ausgleich und Game-Winner). Aquino wiederum war heute mit 2 Toren und einem Assist der produktivste Spieler auf dem Eis. Technisch sehr stark und trotz hitzigem Temperament weitestgehend ohne „dumme“ Aktion.

Tor Sharp

MacGregor Sharp trifft – heute zweimal

Zwei Sterne vergebe ich an Michael Schiechl der heute scheinbar das gefrühstückt hat, was normalerweise der Raphi Rotter bekommt. Von der ersten Minute an immer bissig, in Unterzahl überragend und heute auch endlich einmal mit einigen wirklich schönen Offensivaktionen. Das sorgt auch augenscheinlich für Selbstvertrauen, denn vor einigen Wochen hätte er sein Tor sicher nicht gemacht, sondern irgendeinen Pass „gesucht“. A bisserl Off Topic – optisch wird er dem Milam immer ähnlicher, sehr verwegen 😉

 

Drei Sterne und damit Man of the Match: Jonathan Ferland! Wer hätte gedacht, dass ich das heuer noch einmal schreiben darf. Egal ob er heute jetzt 2 Tore erzielt hat oder diese von Fraser und der Statistik „geschenkt“ bekam, Ferland war heute omnipräsent und ob seines guten Stellungsspiels sehr oft am richtigen Ort – das sah mir nicht nach Zufall aus. Seit seine Linie von Dzieduszycki gecentert wir lebt der Kapitän auf und heute war er, der Kapitän, auch ein echter Anführer. Mehr davon bitte, bald zählt es!

 

Schiedsrichter:

„Gut gemeint“ ist nicht zwangsläufig „gut“. Das mussten die Herren Kincses, Piragic, Hofstätter und besonders Soos heute auf die harte Tour feststellen. Zunächst das Positive, denn das gab es: Die Zebras versuchten, das Spiel im Sinne der Zuseher und Spieler laufen zu lassen und nicht zu zerpfeifen. Und wenn sie pfiffen, egal ob richtig oder falsch, waren diese Entscheidungen sehr ausgewogen gewichtet und fair. Auch war wenig von arroganter Selbstdarstellung ala Warshaw zu sehen, das hat mir alles wirklich gut gefallen. Und das hätte zu einer tollen Pickround-Galapartie führen können, wenn die „Kinder“ nicht (wie leider üblich) die Gutmütigkeit der Lehrer ausgenutzt und missbraucht hätten. Wo wir also bei den Kritikpunkten wären… von Beginn an gab es hüben wie drüben eine Vielzahl an ungeahndeten Ellbogenchecks und vor allem Stockschlägen. Anfangs noch in halbwegs vertretbarem Rahmen steigerte sich dies langsam aber stetig soweit, dass ein Spieler um den Verbleib seines Fingers bangen muss, ein Linesman niedergeschlagen wurde, 174 Strafminuten (trotz lockerer Strafauslegung) ausgesprochen wurden, ein Salzburger Betreuer Gegenstände ins Publikum warf und letztendlich sogar aus Sicherheitsgründen das kollektive Shakehands von den Offiziellen untersagte werden musste. Es hätte toll werden können und dann hätten die Refs hier viel Lob von mir bekommen – so allerdings war die Leistung geprägt von einer völligen Fehleinschätzung der Situation und damit leider leider NICHT GENÜGEND!
 

Fazit:

Wer mich besser kennt weiß, dass ich auf technisch gutes Eishockey ohne übertriebene Härte stehe (faire Checks ausgenommen und natürlich den einen oder anderen fairen Fight, weil da finden sich meistens eh zwei „Willige“) und Spiele wie das gestrige eigentlich nicht so liebe. Vor allem diese Vielzahl an echt gesundheitsgefährdenden Aktionen auf beiden Seiten hat wenig mit dem zu tun, was ich persönlich an diesem Sport so schätze. Trotzdem fühlte ich mich gestern in der Halle (als ich noch nichts über Phils schwere Verletzung wusste) meistens unglaublich gut unterhalten. Es gab viele Torchancen, teils schöne teils kuriose Tore, viele Emotionen, Fights zwischen den „Richtigen“ und letztendlich auch noch den richtigen Spielausgang. Allerdings… wenn eine Null-Acht-Fünfzehn-Wurschtpartie (weil das war das gestern in Wirklichkeit) so aus dem Ruder läuft, dass man sich hinterher nicht einmal die Hand geben kann, und wenn am Folgetag nur noch über Fights, schwere Verletzungen und etwaige Folgestrafen gesprochen wird, dann ist das für mich zumindest grenzwertig. Gestern hat das irgendwie gepasst, meine vom Hockeygott verschriebene Jahresdosis von dieser „Medizin“ hab ich damit allerdings eingenommen. Ab jetzt bitte STÖCKE AUFS EIS!!!
Abschließend möchte ich mich bei Euch verabschieden und mich, wie üblich und angemessen, beim besten Sportfotographen in und außerhalb Donaustadts, Andreas Urban, für die Bereitstellung der tollen Bilder bedanken. Ich würde mich natürlich auch diesmal über Kommentare, sei es Zustimmung, Kritik, Anregungen oder was auch immer sehr freuen (verstehe aber, wenn Ihr über solche Spiele nicht reden wollt)! Wie das geht erfahrt ihr, wenn Ihr es noch nicht sowieso schon wisst, HIER

 

lg und viel Spaß beim lesen

Walu


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7 Gedanken zu “Vienna Capitals vs Red Bulls Salzburg – 16.2.2016

  • eni

    Vor dem Spiel hatte ich irgendwie die Befürchtung, dass das recht zähe 60 Minuten werden würden. Zum einen gings ja nicht wirklich um was und zum anderen haben die Caps für gewöhnlich ja ihre liebe Not mit längeren Spielpausen… Da hab‘ ich mich wohl getäuscht. Was dann kam ist im Bericht oben ohnehin ziemlich gut zusammengefasst. Ich weiß echt nicht ob ich schon jemals ein (ab der zweiten Hälfte) derart eskaliertes Spiel gesehen habe, auch wenn der Unterhaltungswert doch recht hoch war.

    Eines war mir dann aber doch irgendwie unklar, vielleicht weiß hier ja jemand besser bescheid:
    Bei 41:19 gabs auf beiden Seiten Strafen. Bei den Caps Ferland 2 und Fraser 2+10 Minuten. Auf Salzburger Seite Fahey mit 2+2 und Sterling 10 Minuten.
    Die Strafen der Caps laufen ja theoretisch parallel ab, in Summe also 2 Minuten 2 Mann weniger, während die 2+2 von Fahey nacheinander ablaufen müssten, also in Summe 4 Minuten ein Mann weniger. Wieso gings hier dann trotzdem mit 5 gegen 5 weiter und nicht mit 4gg3-PP für Salzburg?

    • waluliso1972 Beitragsautor

      Servus Eni!
      Das ist eine sehr gute Frage, die wir uns auf meinem „Balkon“ auch gestellt haben. Da das schon im Schlussdrittel war, konnte ich diesbezüglich keine meiner Schiriquellen anzapfen und habe dieses Thema (weil ich eben KEINE Antwort habe) beim Report ausgeklammert.
      Ist aber notiert und wenn ich morgen die Gelegenheit habe (und nicht vergesse), werde ich der Frage nachgehen.
      Aber schön, dass das noch jemandem aufgefallen ist.

    • spiritofdalmacija

      „…..Ich weiß echt nicht ob ich schon jemals ein (ab der zweiten Hälfte) derart eskaliertes Spiel gesehen habe, auch wenn der Unterhaltungswert doch recht hoch war…….“

      Naja, keine Ahnung wie lange Du schon zum Hockey gehst. Aber in den 80zigern und tw. auch 90zigern war das ein Spiel ohne besondere Vorkommnisse. Noch nicht mal eine Eisreinigung 😉

    • waluliso1972 Beitragsautor

      Zu den Strafzeiten bei 41:19 hab ich folgende plausible Auskunft bekommen – danke Peter!:
      Es wird generell soviel wie möglich von der Uhr gekürzt (Ausnahme bei je 2 Minuten wo ja bekanntlich 4 gegen 4 gespielt wird).
      Hier wurden auf beiden Seiten jeweils 4 min ausgesprochen…. so, jetzt hebt sich die erste 2 min. Strafe von Fahey mit einer eines Wieners auf… bleiben weitere 2 die sich wieder mit den anderen 2 min wegkürzen lassen…. somit 5 gegen 5 und Fahey sitzt 4 min draußen, Sterling 10 und bei den Wieneren einer 2 min und einer 12.
      So wars letztendlich auch, also scheint das korrekt zu sein – war mir bis eben nicht bekannt.

      • eni

        Alles klar, das macht dann doch irgendwo Sinn. Kannte ich jedenfalls ebenfalls noch nicht.
        Uns kanns aber ohnehin nur recht (gewesen) sein, nachdem im erwarteten Salzburger PP unser GWG gefallen ist 😉

        Danke jedenfalls für die Aufklärung, wieder was gelernt 🙂