Vienna Capitals vs Orli Znojmo – 19.2.2016


Letztes Heimspiel bevor es zählt, also WIRKLICH zählt. Die Caps empfangen die Tabellenzweiten aus Znaim und müssen dabei auf den leider schwer verletzten Phil Lakos, sowie die gesperrten Bois und Dzieduszycki verzichten. Dafür feiert allerdings Raphi Rotter sein Comeback nach seinen Rückenproblemen. Znaim reist ohne Raubein Baca und Ondrej Fiala, dafür aber mit dem Wiener Andre Lakos an. Man darf gespannt sein, wie ernst die beiden Teams an das heutige Spiel herangehen, Prognosen sind jedenfalls schwer (sogar KHL-Dominator CSKA Moskau hat zuletzt zwei „Eh-Wurscht-Partien“ verloren, weil einfach der letzte Nachdruck fehlte). Primäres Ziel muss wohl sein, den eigenen Kader nicht noch mehr zu dezimieren. Alles andere ist Draufgabe, aber diese Draufgabe war zuletzt gegen Salzburg sehenswert. Hoffen wir also auf ein schönes, schnelles UND faires Match, mögen die Spiele beginnen…
Fanaktion gut

Sehr schöne Aktion, die den anwesenden Lakos sicher sehr gefreut hat.

 

1. Drittel:

Eindeutig waren es die Jungs aus Znaim, die besser in diese Partie gestartet sind, bereits in der ersten Minute musste Nathan Lawson nach einem Abwehrfehler seiner Vorderleute erstmals eingreifen. Zweite Minute, Chance von David Bartos, Lawson hält. Dann in Minute vier eine Szene, die wahrscheinlich kaum jemandem aufgefallen ist – Stockschlag von Raphi Rotter – aber glücklicherweise diesmal ohne schlimme Folgen für den Znaimer und ohne Strafe für Rotter (auch wenn die Aktion genauso aussah, wie der Schlag von Sterling – man sieht wie eng da Glück oder Unglück, Verletzung oder NIX, Strafe oder keine Strafe, zusammen liegen). Minute fünf, Ferland Checkt Stehlik gegen die Bande, geht dabei selbst zu Boden und ist danach fuchsteufelswild – Folge:2+10min. Bisher spielen nur die Tschechen, die Caps fast immer einen Schritt zu langsam und das geht so bis Minute 9. Strafe gegen Marek Biro, über Gamache und Sharp kommt die Scheibe vors Tor und dort machte Troy Milam kurzen Prozess. 1:0 mit der ersten Torchance, das nenn ich effizient. An der Spielcharakteristik änderte sich vorerst aber nichts, Znaim weiter optisch überlegen, die Wiener mit einigen daraus resultierenden Strafen. Wirklich zwingend konnten die Adler allerdings nicht werden, zu gut stand die Defense, zu gut hielt Goalie Lawson und zu wenig robust erschienen die Tschechen selbst. Apropos robust – den (fairen) Check von Milam in Minute 18 wird Tomas noch einige Zeit gespürt haben.
Ferland - Stehlik

In Minute 5 wars einmal hitzig

 

2. Drittel:

Das Mitteldrittel begann mit einem neuen, diesmal leider weit weniger „originellen“ Spruchband der Fans und (weit wichtiger) mit einem spielerischen Paukenschlag. Gamache bediente Milam an der blauen Linie und dessen Blueliner fand den Weg zwischen Stange und Goalie Lukas ins Netz. Jetzt waren plötzlich die Caps das optisch stärkere Team, die kommenden zehn Minuten brachten allerdings hüben wie drüben nur Stückwerk und kaum Höhepunkte. Ein nicht geahndetes Beinstellen eines Tschechen an Michi Schiechl wurde dann aber sogleich bestraft – in Minute 32 war es diesmal Johnson, der den Puck an die Blaue zum Milam spielte und dessen Hammer zeichnete für das 3:0 verantwortlich. Ich hoffe er hat sein Hattrick-Kapperl bekommen. Kurz drauf ein schneller Konter über Schiechl, aber Hartls Abschluss traf leider nur die Außenstange. Damit wäre die Geschichte des Mitteldrittels auch schon fertig erzählt.
Trivino und Rotter

Auch Corey Trivino fand keinen Weg zum Tor der Caps

 

3. Drittel:

Im Schlussdrittel agierten die Adler naturgemäß wieder offensiver aber immer noch standen die Caps hinten überaus kompakt und wenn doch einmal etwas durchkam war Nathan Lawson da. Als nach 50 Minuten Tyler Cuma auf die Strafbank musste erlebten wir wohl die Entscheidung – Mario Fischer führte den Puck in Unterzahl aus der eigenen Hälfte, bekam dann gegen 4 Tschechen einen wahren Energieanfall und erzielte wohl das Tor der Runde. Auch wenn Spacek, immer noch in diesem Überzahlspiel, schnell das 4:1 erzielen konnte war der Käs damit gegessen. Die Offense der Znaimer wurde immer hektischer, die Spieler immer resignierter (daher wohl auch die beiden Strafen wegen Schiedsrichterbeleidigung) und so konnten die Caps einfach die Uhr runterspielen und sogar eine 5-gegen3-Überzahl locker angehen. Letztendlich ein klaren und auch nicht unverdienter Sieg der Heimmannschaft, die aber auch davon profitierte, dass der Puck heute nur in den seltensten Fällen für den Gegner sprang – egal!
Peter Pucher

Irrtümlich als Torschütze genannt: Peter Pucher, der „Mann mit den weißen Handschuhen“

 

Endstand: EC UPC Vienna Capitals 4 : Orli Znojmo 1

 

Starting Lineup der Caps:

Lawson

Milam – Iberer
Fraser – Klimbacher
Cuma – Peter
Hackl

Gamache – Sharp – Rotter
Nödl – Johnson – Ferland
Fischer – Maxa – Whitmore
Bolterle – Schiechl – Hartl
Grosslercher

Znojmo:

Lukas

Lattner – Boruta
Stehlik – Sulak
Stach – Biro
Lakos – Senkerik

Podesva – Pucher – Cip
Sedivy – Bartos – Yellow Horn
Tomas – Rehus – Novak
Beroun – Trivino – Spacek

 

Mannschafts- und Einzelkritiken:

Caps:

Ich war, die ersten Minuten einmal ausgenommen, wirklich positiv überrascht von der Performance unserer dezimierten Mannschaft UND ich war überrascht von der Art und Weise, wie Boni diesmal aufgestellt hat. Die ersten beiden Linien haben sich quasi von selbst ergeben, dahinter hätte ich allerdings eine Konzentration der Kräfte und ein Spiel mit überwiegend nur drei Linien erwartet – ich freu mich, dass es nicht so war und ich freue mich, dass die Sache aufgegangen ist, auch wenn es heute nur sehr selten ein spielerisches Feuerwerk zu sehen gab. Die Sharp-Linie ist mit Rotter eindeutig eine Klasse stärker als mit dem eher behäbig wirkenden Bois, das ist keine Überraschung. Aber auch wenn diese Reihe an den ersten beiden Toren maßgeblich beteiligt war, die drei waren schon mal zwingender. Die Nödl-Linie profitierte in den letzten Spielen von der deutlichen Leistungssteigerung von Kapitän Ferland. Johnson tat sein möglichstes um Dzieduszycki als Center ordentlich zu ersetzen, so ganz gelungen ist es ihm allerdings nicht. Die Linie mit Fischer und Whitmore hat offensiv leider gar nicht harmoniert, dafür sind sie defensiv sehr stark gewesen und Fischers Shorthander war sowieso nur zum Zunge schnalzen. Der Schiechl Sturm musste sich heute auch eher defensiven Aufgaben widmen und das gelang ausgezeichnet – vom Spiel nach vorne gabs, bis auf Hartls Stangenschuss, wenig zu berichten.
Die Defense an sich hat, gut unterstützt von den Stürmern und Goalie Lawson, heute generell sehr gut funktioniert, dafür gibt es von mir ein kollektives Lob. Zwei Mann möchte ich aber kurz vor den Vorhang bitten: Einerseits Sven Klimbacher, der nach seiner langen Pause agiert, als wäre er nie weg gewesen. Seine Ruhe, sein Stellungsspiel, sein schnelles Erkennen von Spielsituationen, das alles hat mir sehr gut gefallen. Und da war natürlich Troy „Hattrick“ Milam, der einmal mehr optisch und spielerisch DER Hingucker war. Wäre schön, wenn man den alten Mann nächstes Jahr noch in Wien sehen könnte, die Physis dazu hat er allemal.
 

Znojmo:

Wie üblich präsentierten sich die Tschechen als schnelles, eisläuferisch & technisch starkes sowie offensives Team. Was mir heute aber fehlte, war der Zug zum Tor. Physisch war Znaim selten das stärkere Team aber ohne Baca und Fiala wirkten sie heute noch „softer“ – vielleicht ist das aber auch nur mein Eindruck, weil die Dienstagpartie noch allgegenwärtig ist. Es machte jedenfalls den (durchaus verständlichen) Anschein, dass die Adler zwar gewinnen wollten, aber so knapp vor den Playoffs eben nicht mit letzter Konsequenz. Von den Topspielern wie Yellow Horn, Tomas, Sedivy, Bartos oder Oldie Pucher hat man jedenfalls schon mehr gesehen und hinten war man auch einige Male zu offen. Hinzu kam der ungünstige Spielverlauf und der unsichere neue Goalie. Andre Lakos bekam übrigens recht wenig Eiszeit und spielte… dezent. Ich warne allerdings davor, Znaim für die Playoffs als Wunschgegner zu sehen.
Lakos Andre

Der „Lange“ back in town – Andre Lakos mit unauffälliger Leistung

 

Goalies:

Nathan Lawson (39 Schüsse, 1 Gegentor, 97,44%) war heute wieder, anders als am Dienstag, ein wirklich starker Rückhalt ohne Fehl und Tadel.

Jan Lukas (29 Schüsse, 4 Gegentore, 86,21%) wurde vor kurzem als Entlastung für Einsergoalie Nechvatal geholt. Heute konnte er die in ihn gesteckten Erwartungen nicht vollinhaltlich erfüllen und wirkte nervös und unsicher. Die Tore selbst kann man ihm nicht unbedingt ankreiden aber ansonsten offenbarte er viele Unsicherheiten. Vielleicht hatte er nur einen schlechten Tag.
Jan Lukas

Wirkte oft unsicher: Neo-Goalie Lukas

 

Man of the Match – Three Stars:

Einen Stern vergebe ich an Sven Klimbacher, den ich heute ganz genau beobachtet habe. Nach so einer Pause derart staubtrocken und humorlos verteidigen, das hat mich schon beeindruckt. Extrem aufmerksam und mit meist tollem Stellungsspiel entschärfte er viele Znaimer Angriffsaktionen bereits in der Entstehung. Sharp und Gamache mögen je 2 Punkte angeschrieben haben, der Stern geht trotzdem an den Sven!

 

Zwei Sterne vergebe ich an Nathan Lawson der den Rost der Verletzungspause wieder abgeschüttelt zu haben scheint, heute ein bärenstarker Rückhalt war und 38 von 39 Schüssen entschärfen konnte.

 

Drei Sterne und damit Man of the Match: Troy Milam! Hattrick binnen 22:21, Plus 3, 8 Torschüsse und zum Drüberstreuen auch defensiv fast immer richtig gut. Heute kann es nur einen geben!

Troy!!!

Ein Mann, 3 Tore – TROY!!!

 

Schiedsrichter:

Peter Gebei, Ladislav Smetana, Christian Kaspar und Martin Smeibidlo verlebten heute einen verhältnismäßig ruhigen Abend und zogen ihre Linie relativ konsequent durch. Lattner und Sedivy waren zwar nicht immer einer Meinung mit dem Quartett, aber grundsätzlich herrschte Ruhe und Ordnung auf dem Eis. Ohne Baca, Fiala und Csamango sind die Adler einfach eine zu zahme Truppe, als dass so ein relativ unbedeutendes Spiel aus dem Ruder laufen könnte.

Fazit:

Heute ist der Puck in 8 von 10 Fällen für die Caps gesprungen. Führungstreffer mit der ersten Torchance, auch in der Folge sehr hilfreicher Spielverlauf, dazu Vorteile bei Goalie und Special Teams – so wurde es wieder einmal ein ungefährdeter Sieg gegen die Adler aus Tschechien, die heute zwar schussfreudig aber generell eher zahnlos agierten. Es war eine sehr faire Begegnung, es war aber auch ein eher emotionsloser Abend, der uns neben den schönen Toren kaum Höhepunkte schenkte. Eine typische Pickround-Partie, die die Wiener trotz personeller Probleme heimspielen konnten… Resümee also positiv… wenn man von dieser Aktion absieht, an der ich auch nach einmal drüber schlafen wenig Positives oder Sinnvolles entdecken kann.
Fanaktion weniger gut

Kann man gut finden, MUSS man aber nicht – Verschwörungstheorien Marke Wien Donaustadt.

 
Abschließend möchte ich mich bei Euch verabschieden und mich, wie üblich und angemessen, beim besten Sportfotographen in und außerhalb Donaustadts, Andreas Urban, für die Bereitstellung der tollen Bilder bedanken. Ich würde mich natürlich auch diesmal über Kommentare, sei es Zustimmung, Kritik, Anregungen oder was auch immer sehr freuen (verstehe aber, wenn Ihr über solche Spiele nicht reden wollt)! Wie das geht erfahrt ihr, wenn Ihr es noch nicht sowieso schon wisst, HIER

 

lg und viel Spaß beim lesen

Walu

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