Vienna Capitals vs HC Innsbruck – 8.1.2016 4


Trotz der Ausfälle von Klimbacher, Whitmore, McLean und (neu) Dzieduszycki ist das heute ein Pflichtsieg ohne Wenn & Aber. Genau diese sind aber oft die schwierigsten und heuer haben wir mehrfach erlebt, wie schwer sich gerade die Caps bei sowas manchmal tun. Spielerische Glanzpunkte erwartete ich mir keine, aber ich war bereit, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Mögen die Spiele beginnen… und BITTE… mögen die Caps endlich das Problem mit den scheinbar schwerst überforderten VIPs in den Griff bekommen, welche anscheinend in nicht mehr vernachlässigbarer Anzahl einfach zu blöd sind, Ihre Plätze zu finden bzw. diese auch nur ansatzweise zeitgerecht einzunehmen. Jedenfalls hab ich seit diesem Spiel einen neuen „Lieblings-Security-Man“.
 

1. Drittel:

Unser Ärger war recht schnell verflogen, denn die Capitals schienen, entgegen meinen Befürchtungen, das Spiel richtig ernst zu nehmen und entwickelten Dauerdruck auf das Tor von Haie-Keeper Andy Chiodo. Dieser stemmte sich den Wiener Angriffen auch gut zehn Minuten erfolgreich entgegen, aber dann nahmen die Raphi-Rotter-Festspiele ihren Anfang, die Nick Schaus in nicht so guter Erinnerung bleiben werden. Dieser verliert erst die Scheibe an Rotter, wird von diesem in der Folge mit mehreren kurzen Haken schwindelig gespielt und kann ihn auch nicht daran hindern, in die Mitte zu ziehen und auch noch Goalie Chiodo zu vernaschen. Eine sehenswerte Einzelaktion unserer Nummer 6. Wenig später kam Rotter im Slot wieder an die Scheibe und bezang Chiodo erneut, diesmal mit einem Backhand-Volley durch die Schoner – sicher überraschend, aber durchaus haltbar. Die Krönung folgte keine Minute später – über Gamache kam der Puck wieder zu Rotter, der einen perfekt getimten Pass auf Jamie Fraser spielte. Dieser hatte keine Mühe, den Puck zum 3:0 in die Maschen zu setzen. Und der HCI? Bis auf zwei nicht ungefährliche Aktionen zu Beginn war von den Haien wenig zu sehen.
Frasers Tor

 Nach Traumpass von Rotter trifft Fraser zum 3:0

 

2. Drittel:

Das Mitteldrittel ließen die Wiener, wie im Pausentratsch befürchtet, stark nach und zugleich änderten die Tiroler etwas ihr Spielsystem. Das alles führte dazu, dass die Wiener kaum noch zu echten Chancen kamen und das Spiel einzuschlafen schien. Das wäre halb so schlimm gewesen, wenn nicht Iberer aufreizend lässig die Scheibe an Hunter Bishop verloren hätte, welcher sich nicht zweimal bitten ließ. Innsbruck jetzt plötzlich wieder da und die Caps schafften es auch nach dem von Jim Boni genommenen Timeout nicht, das Spiel wieder in die „richtige“ Richtung zu lenken. Vielmehr patzte auch noch der sonst starke Nathan Lawson, als er David Schullers Weitschuss durch die Schoner rutschen ließ. Plötzlich stand es nur noch 3:2, die Haie waren wieder im Spiel und die Wiener wirkten angeschlagen und müde. Letzteres vielleicht auch deshalb, weil Jim Boni der vierten Linie sogar bei 3:0 keinerlei Eiszeit gönnte. Diese wäre meiner Meinung nach hungrig gewesen und hätte für die nötige Energie und Entlastung sorgen können. Aber der Fachmann ist ER, nicht ich… was ICH davon halte habe ich in der unsäglichen Gaudet-Ära zur Genüge geschrieben.
Jeff Ulmer

 Jeff Ulmer und Co machen es noch einmal spannend

 

3. Drittel:

Im Schlussdrittel fingen sich die Capitals glücklicherweise wieder, standen kompakt und ließen durch kontrollierte Offensive kaum noch Chancen der Tiroler zu. Entspannend wurde es allerdings erst nach „Rotter vs. Schaus, Teil 2“. Wieder war die Tiroler Nummer 55 viel zu schwerfällig und der von Milam in Szene gesetzte Rotter konnte einen punktgenauen Pass auf seinen Center im Rückraum spielen. Sharps satter Schuss passte genau und mit dem 4:2 war die Partie gelaufen. HCI-Coach Beaulieu nahm zwar noch recht früh Goalie Chiodo vom Eis, in der Luft lag aber bestenfalls das 5:2, das letztendlich aber auch nicht mehr fallen wollte. Somit warten wir weiter auf den ersten Ligahattrick von Neo-Sniper Raphael Rotter 😉
 

Endstand: EC UPC Vienna Capitals 4 : HC TWK Innsbruck 2

 

Lineup der Caps:

Lawson

Milam – Iberer
Fraser – P. Lakos
Cuma – Peter
(Hackl)

Gamache – Sharp – Rotter
Nödl – Bois – Ferland
Fischer – Schiechl – Hartl
(Großlercher, Maxa, Nißner, Bolterle)

Innsbruck:

Chiodo

Liffiton – Schaus
Saringer – Ross
Ebner – VanBallegooie
Pedavilla

Bishop – Spurgeon – Lammers
Schennach – Valdix – J. Ulmer
Schramm – Hahn – Mössmer
Schuller – Steinacher – Frischmann

 

Mannschafts- und Einzelkritiken:

Caps:

Heute gab es die Paradelinie und den Rest… es ist kein Geheimnis, dass das Trio Gamache-Sharp-Rotter derzeit on fire ist und das ist gut so. Es ist aber auch gefährlich, denn ohne vernünftiges Secondary Scoring (das eigentlich DIESE Linie sein sollte!!!) sind die Caps sehr leicht auszurechnen und von stärker und tiefer besetzten Teams vermutlich leicht zu neutralisieren. Dahingehend bin ich auf das Spiel gegen Bozen und deren vier starke Linien gespannt. Aber zurück zum heutigen Spiel: Rotter spielt derzeit wieder in seiner Saisonbeginn-Topform und da ist es für seine Nebenleute leicht. Und seit Gamache mit Einsatz und heruntergeschraubter Eitelkeit agiert, passt die Chemie vor allem zwischen diesen beiden perfekt und Sharp erledigt seinen Job sowieso immer vorbildlich. Im Powerplay ist es auch diese Linie, die als einzige für echte Gefahr sorgt, hier fällt allerdings auf, dass Rotter und Gamache ein bisserl ZU sehr miteinander (und ohne die Ds) spielen wollen. Die beiden anderen Linien spielten mit sehr viel Energie, beide allerdings vom derzeitigen Leistungsvermögen und der Spielanlage eine Linie zu hoch. Drei Stürmer-Legios vorzugeben tut halt jeder Mannschaft weh. Fehlerlos heute die jungen Grosslercher, Maxa, Nißner und Bolterle – sie durften das Eis allerdings nicht spielenderweise betreten. Für mich, wie gesagt, nicht ganz nachvollziehbar.

Hinten war Milam wieder einmal der Mann, der alles kann. Seinen Linemate Iberer konnte er heute aber nur selten mitreißen – ein bisserl lethargisch, der Flo. Fraser ist das Tor sehr zu gönnen, denn der plagt sich derzeit sehr. Er will, er kämpft und er sucht… seine Lockerheit, die spielerische Leichtigkeit, die ihn in guten Phasen so auszeichnet. Seine Fähigkeiten im Spielaufbau vermissen die Capitals derzeit schmerzlich. Aber ein bisserl Zeit hat er ja noch, bis es wirklich zählt. Die anderen spielten unauffällig und solide. Hackl durfte nach seinem guten Einstand bei den silbernen heute aber wieder nur zusehen.
Jubel in Gelb-Schwarz

Zum 5. Mal in Serie – Jubel in Gelb-Schwarz

 

Innsbruck:

Nach dem ersten Drittel sah man, dass die Tiroler durchaus auch Eishockeyspielen können und mit Bishop, Lammers oder Ulmer auch einige wirklich torgefährliche Spieler in Ihren Reihen haben. Und drei Center, die am Bullypunkt heute sehr stark waren, speziell Derek Hahn. Wenn man allerdings sooft verliert, wie die Haie in den letzten Wochen, ist es mit dem Selbstvertrauen natürlich nicht so weit her. Das sah man besonders bei einigen vergebenen Großchancen. Dafür waren die beiden Tore Geschenke der Wiener (Iberer, Lawson), weshalb der Endstand in Ordnung geht. Wollen die Tiroler im unteren Playoff noch die Wende schaffe, müssen die Stars ohne wenn und aber funktionieren. Wetten würde ich darauf nicht.
Endstation für den HCI

 Kein Durchkommen für die Haie, hier Patrick Mössmer

 

Goalies:

Nathan Lawson (18 Schüsse, 2 Gegentor, 88,89%) hatte nicht sonderlich viel zu tun, hielt aber mehrmals stark. Sein Fehler, der zum zweiten Innsbrucker Treffer führt, blieb zum Glück ohne echte Folgen.

 

Andy Chiodo (31 Schüsse, 4 Gegentore, 87,10%) muss sich wohl Rotters zweiten Treffer ankreiden lassen, ansonsten spielte er solide. Für mich wirkte er manchmal ein bisserl zu hektisch.
Ohne Worte

 Da hat er Glück, der Andy!

 

Man of the Match – Three Stars:

Einen Stern vergebe ich an Macgregor Sharp., der mit seinem schönen Treffer den Deckel auf den Topf (die Partie) setzte und wieder einen guten Center für unsere beiden Überflieger abgab. Ein sehr verlässlicher und universell einsetzbarer Spieler!

Macgregor Sharp

 Im Schlussdrittel wieder einmal richtig scharf: Macgregor Sharp

Zwei Sterne vergebe ich an Simon Gamache, der heute einmal den Assistgeber spielte. Harmoniert im Moment perfekt mit Raphi Rotter, hatte heute aber einige Mal etwas Pech im Abschluss.

Simon Gamache

 Simon Gamache glänzte heute als Assistgeber

Drei Sterne und damit Man of the Match: Raphael Rotter! 2 Tore, 2 Assists, dazu noch eine „Hundertprozentige“ und viele tolle Pässe. Wer heute einen anderen Mann vorne gesehen hat, muss blind sein. Topleistung! 

Rotter vor dem Tor

Rotter mit Traumpass auf Fraser – und es heißt 3:0

 

Schiedsrichter:

Jakob Grumsmen, Ladislav Smetana und die Assistenten Henrik Haurum und Martin Smeibidlo verlebten einen ruhigen Abend und taten nichts, um dies zu ändern. Sprich: Sie brachten keine unnötige Unruhe ins Spiel, die Entscheidungen passten hochprozentig und zum Glück scheint sich auch der Linesman nicht ernsthaft wehgetan zu haben. Gute Leistung dieses Quartetts!
Linesman in Not

Auch Linesmen leben gefährlich

 

Fazit:

Pflicht erfüllt, 20 Minuten lang sogar mit Auszeichnung. Jedenfalls besser, als ich es vor dem Spiel befürchtet habe. Und der Sieg war nötig, da von den anderen Schauplätzen kaum Hilfe (Dank nach Graz) vermeldet wurde. Finde ich aber gut, denn Geschenke zu brauchen ist unwürdig.

Abschließend möchte ich mich bei Euch verabschieden und mich, wie üblich und angemessen, beim besten Sportfotographen in und außerhalb Donaustadts, Andreas Urban, für die Bereitstellung der tollen Bilder bedanken. Ich würden mich natürlich auch diesmal über Kommentare, sei es Zustimmung, Kritik, Anregungen oder was auch immer sehr freuen (verstehe aber, wenn Ihr über solche Spiele nicht reden wollt)! Wie das geht erfahrt ihr, wenn Ihr es noch nicht sowieso schon wisst, HIER

 

lg und viel Spaß beim lesen

Walu


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4 Gedanken zu “Vienna Capitals vs HC Innsbruck – 8.1.2016

  • Capsforever

    Wie immer sehr gute Analyse
    Zur 4. Linie: War und bin eigentlich noch immer sauer darüber, denn der Trainer muss ja ebenso mitbekommen haben, dass der Rest vom Team schon am „Zahnfleisch“ war und er hält aber weiter eisern an der 2,5 Linien-Taktik fest.
    Dabei haben die Jungen bereits öfters bewiesen dass sie „Ebel-tauglich“ sind und bedenkenlos eingesetzt werden können. 😤

    • waluliso1972 Beitragsautor

      Naja, 3 Linien waren es schon. 😉
      Bei 3:0 gegen Innsbruck kann man durchaus aber ein bisserl mehr Mut beweisen.
      Und wenn ich Maxa und Bolterle nicht vertraue (das könnt ich noch nachvollziehen) spiel ich halt mit Großlercher und Nißner mit einem der 3 anderen Center… oder baue immer einen der beiden in Linie 2 und 3 ein. Den Rottersturm darfst´ derzeit natürlich ned trennen. Jedenfalls in meinen Augen ein Coachingfehler, der umsomehr verwundert, als Boni doch schon öfter (z.B. auswärts in Salzburg oder Dornbirn) auf eine junge vierte Linie gesetzt hat.
      Gaudet hat ja generell auf ne vierte verzichtet und sogar Österreicher für Legios geopfert – das war noch ne ganz andere „Qualität“

      • 66er

        Wiederspreche die nur ungern. Aber in den 2. Linien waren es 2 1/2 Linien. Erst im 3. Drittel kannst du von einen 3. Linien-System sprechen.

        Die Coaching-Fehler werden im Laufe der Saison deutlich mehr… Sollte man auch mal erwähnen.

        Noch was Vergleich mit K.G.: Wo ist der Unterschied? Boni ignoriert Spieler und zeigt Talenten die kalte Schulter in einer Phase wo er sie eigentlich zur Entlastung benötigen würde. Same shit – Andere Handhabung.