Vienna Capitals vs EC KAC – 3.1.2016 7


Vor ausverkauftem Haus kam es heute zum Duell gegen den Rekordmeister aus Klagenfurt. Mit Davos-Heimkehrer Max und einigen anderen wollte ich mich von meinem Balkon aus davon überzeugen, dass man sich mit „Kärntner Tradition“ im hier und jetzt nichts mehr kaufen kann. Da es für beide Teams um vieles geht (nicht nur Boni sprach im Vorfeld von einem 6-Punkte-Spiel), und beim KAC die bis zuletzt fraglichen Setzinger und Hundertpfund doch auflaufen können, erwartet uns ein nominell starkes Klagenfurter Team und hoffentlich eine engagierte Truppe aus Wien. Mögen die Spiele beginnen…

1. Drittel:

Nach verhaltenem Start der Heimelf und einer ersten Chance für die Rotjacken übernahmen die Wiener recht schnell das Kommando. Und bereits nach dreieinhalb Minuten musste KAC-Goalie Swette den Puck aus seinem Tor herausfischen. Nach gutem Forechecking von Sharp und ebenso guter Vorlage von Gamache brauchte Rotter nicht mehr viel zu machen, um die Scheibe aus kurzer Distanz über die Linie zu drücken. Die Wiener bestimmten daraufhin das Spiel, gewannen die Zweikämpfe an der Bande und der KAC kam nur noch zu relativ ungefährlichen Schüssen, die bestenfalls dazu dienten, Lawsons Statistik ein wenig aufzupolieren. In der 17. Minute dann ein guter Angriff der Wiener und nach Nödls mustergültigen Vorlage traf Mario Fischer genau ins Kreuzeck. Sein zweites Tor binnen 48 Stunden, bemerkenswert. Dann wurde es etwas hektisch, da das Schiedsrichterteam das Spiel ein bisserl zu sehr laufen ließen. Schließlich fanden sich Peter und Walker zu einem Tänzchen zusammen und beide anschließend für 5 Minuten den Weg auf die Strafbank. Jetzt hatte kurz der KAC Oberwasser, Lawson hielt allerdings die zwei-Tore-Führung fest.
McLean bejubelt Fischers 2-Tore-Vorsprung

McLean bejubelt Fischers 2:0

 

2. Drittel:

Das Mitteldrittel zogen sich die Wiener Anfangs ein wenig zurück und der KAC durfte sich wieder an einer leichten optischen Überlegenheit erfreuen – Torschüsse allerdings weiterhin meist aus ungefährlichen Positionen, die Zweikämpfe an der Bande gehörten weiterhin den Wienern. In Minute 25 spielte dann Mario Fischer perfekt für auf für Matt Dzieduszycki und der traf via Onetimer ganz genau ins kurze Eck (kaum geht’s dem Wauzi wieder gut, spielt es sich viel leichter). Ein kleiner Schönheitsfehler, Dzieduszycki könnte knapp im Abseits gewesen sein – müsste ich mir in der Aufzeichnung ansehen, sofern dies dort aufgelöst wird. Dann die verflixte 27. Minute… durch mehrere Wiener Unkonzentriertheiten begünstigt konnte Jaques ungehindert für Thomas Hunderpfund aufspielen und dieser verkürzte auf 3:1. Sekunden später musste Kurtis McLean (der das Spiel wenig später verletzt beenden musste, angeblich eine Seitenbandverletzung) wegen Behinderung auf die Strafbank, Cuma reklamierte und durfte ihm sogleich Gesellschaft leisten. Zwei Minuten 5 gegen 3 für die Rotjacken, das konnte durchaus ein Wendepunkt im Spiel sein und der KAC schnürte die Wiener auch gehörig ein. Der Abwehrriegel rund um den starken Lawson hielt allerdings und so waren es die Caps, die gestärkt aus diesen Minuten hervorgingen. Das sah man eine halbe Minute nach Ablauf der Strafen als der ansonsten schwache Ferland Topscorer Gamache vor dem Tor freispielte. Dieser wartete sehr lang, für mich fast zu lange, und versenkte den Puck zum vielleicht entscheidenden 4:1 in die Maschen. Und es kam noch schöner, denn jetzt durften zur Abwechslung zwei Klagenfurter hinaus. Steven Strong für 2 Minuten und, was schwerer wiegt, Oliver Setzinger für 5 Minuten plus Spieldauerdiszi wegen Check gegen den Kopf von Gamache. Hätt ned sein müssen, Oli! Diese 5 gegen 3 Überzahl wurde wie üblich relativ schlecht aufgelöst, dafür half aber Kommissar Zufall ein bisserl mit. Einen missglückter Schuss von Dzieduszycki kam von der Bande retour und Rotter brauchte nur noch ins leere Tor einzuschieben. Nach einer kleinen Meinungsverschiedenheit zwischen Sharp und Thomas Pöck ging es mit einer komfortablen 5:1 Führung in die zweite Pause.
Raphi Rotters zweites Tor

Raphi Rotters bereits zweites Tor

 

3. Drittel:

Der KAC hatte sich seinem Schicksal augenscheinlich ergeben und die Wiener beschränkten sich ebenfalls weitestgehend auf das Halten der Führung. So vergingen die Minuten relativ ereignislos und es wäre auch nichts mehr passiert, wenn man Ferland nicht Sekunden vor der Schlusssirene komplett alleine gelassen hätte. Nach einer Ehrenrunde um das KAC-Tor schlenzte er den Puck via Goalie Swette von hinter dem Tor zum Endstand in die Maschen.

Endstand: EC UPC Vienna Capitals 6 : EC KAC 1

 

Lineup der Caps:

Lawson

Fraser – P. Lakos
Milam – Iberer
Cuma – Peter

Gamache – Sharp – Rotter
Nödl – McLean – Ferland
Fischer – Bois – Dzieduszycki
Großlercher – Schiechl – Hartl
Nißner

Klagenfurt:

Swette

DeSantis – Kapstad
Schumnig – Strong
T. Pöck – Vallant

Setzinger – Koch – M. Geier
Lundmark – Hundertpfund – Jacques
S. Geier – Harand – Ganahl
Walker – Nordqvist – M. Pöck
Ban

 

Mannschafts- und Einzelkritiken:

Caps:

Spenglercup-Niveau war das wieder nicht, aber auf Wiener Seite passte der Einsatz, das Tor wurde getroffen und zumindest eine Linie spielte richtig schönes Eishockey. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich mit diesem Gamache anzufreunden, aber derzeit hat vieles was er macht Hand und Fuß. Neben einem kampfstarken Sharp und einem sich der Frühform nähernden Rotter spielt es sich zwar einfacher, aber das ist schon richtig cool, was der gute Simon vor dem Tor so macht. Und über mangelnden Einsatz kann man sich eigentlich auch nimmer beschweren, denn wenige Capsspieler sind sooft im Slot zu finden, als unsere #91. Stark gespielt haben heute auch Fischer, Nödl und Dzieduszycki und die Vierte war zumindest solide. Die Sorgenkinder blieben auch diesmal dieselben – McLean hat Ideen, die auch nach 39 Runden keiner versteht und Ferland kurvt weiterhin recht indisponiert mit dem immer gleichen Tempo umher. Heute sprechen zwar 2 Punkte für ihn, sonst aber nicht sehr viel.
Auch in der Defense gibt es weiterhin so ein Sorgenkind. Nach für seine Verhältnisse solidem Saisonstart rutscht der eigentliche Spätstarter Jamie Fraser immer mehr in ein kapitales Formtief. Jeder Pass, jede Scheibenannahme scheinen höchste Konzentration zu bedingen und trotzdem passieren viele Fehler – an die sonstige Leichtigkeit in seinem Spiel und den gekonnten Spielaufbau (der ging den gelben zuletzt sehr ab) erinnert leider nichts mehr. Aber er kann es und ich bin hier (im Gegensatz zu #17 und #24) guter Hoffnung, dass er sich noch fängt. So muss offensiv von hinten raus fast alles über Milam und Iberer laufen und das macht das Wiener Spiel etwas (zu) ausrechenbar. Peter bemüht sich, hat seine große Formkrise überwunden, ist aber noch nicht auf dem dafür benötigten Level. Und Lakos und Cuma haben einfach andere Stärken und Aufgaben. Hackl, zuletzt nach seiner Verletzung zweimal im Kader, fehlte diesmal wieder – hoffentlich kein schlechtes Zeichen.
Kollektiver Jubel in Gelb-Schwarz

Kollektiver Jubel in Gelb-Schwarz

 

KAC:

Einfach enttäuschend! Im Kader des KAC stehen die in Summe wahrscheinlich stärksten Österreicher der Liga (Setzinger, Koch, Pöck, Ganahl, die Geiers, Hundertpfund, Schumnig) und Fremdarbeiter mit erwiesenen Qualitäten (Lundmark, der heute fehlende Popovic, Graz-Topscorer Walker, SEL-Profi Nordqvist, Kapstad…) und dann kommt SO ETWAS dabei heraus. Ok, manchmal läuft es nicht, dann die sprichwörtliche Hex am Schläger (kennen wir selbst nur zu gut) aber… dann musst Du als Spieler umso mehr beißen, kämpfen, kratzen. Und genau das hat mir bei den Roten gestern am meisten gefehlt, denn davon war (die paar brenzligen Minuten im Mitteldrittel ausgenommen) kaum etwas zu sehen. Wenn die Caps 9 von 10 Zweikämpfen gewinnen UND ab und an sogar das Tor treffen, kann der KAC nicht gewinnen. Am auffälligsten in Rot waren noch Steven Strong und Patrick Harand, die sich nicht kampflos ergeben haben, und Lundmark, der ähnlich oft geschossen hat, wie das ganze Wiener Team zusammen. Meine Bewunderung gilt den Klagenfurter Fans denn die haben Ihr Team bis knapp vor Schluss unterstützt, deren „wir wollen euch kämpfen sehen“ war selten so passend wie gestern.
Oliver Setzinger

Oli S., erst schwach, dann unfair – nicht sein Tag

 

Goalies:

Nathan Lawson (39 Schüsse, 1 Gegentor, 97,44%) bekam sehr viele Schüsse zu halten, davon waren aber viele dankbare Scheiben dabei. Trotzdem, wenn er gebraucht wurde war er auf dem Posten und hat im Mitteldrittel die Führung festgehalten. Sein Gehabe nervt mich halt ziemlich, aber das ist mein Problem.
Nathan Lawson

Stand meist sicher: Nathan Lawson

 

René Swette (31 Schüsse, 6 Gegentore, 80,65%) spielte besser, als es das Ergebnis und seine Statistiken aussagen, aber zumindest das letzte Tor DARF er nicht bekommen. Der Meistermacher-Swette ist er derzeit noch nicht.
Rene Swette

Ein Tag zum vergessen für Renè Swette

 

Man of the Match – Three Stars:

Einen Stern vergebe ich an Mario Fischer., der einen wunderbaren Treffer (wie gesagt seinen zweiten binnen 3 Tagen!) erzielte und einen weiteren mustergültig vorbereitete. Als er kurz statt Ferland in die (nominelle) Erste vorgezogen wurde, bedeutete dies eine sichtbare Qualitätssteigerung in dieser Linie. Hut ab, weiter so!

Mario Fischer

Wieder sehr stark heute: Mario Fischer

Zwei Sterne vergebe ich an Simon Gamache, der schön langsam seine letzten und größten Kritiker mundtot zu machen scheint. Wieder ein Assist und ein Tor, das SO nicht viele schießen. Sehr cooler Typ, wenn er motiviert ist. Hoffe, er bleibt es!

Simon Gamache

Torgarant Simon Gamache

Drei Sterne und damit Man of the Match: Raphael Rotter, der schön langsam wieder zu seiner Form der ersten Meisterschaftswochen (vor seiner Sperre) zurückfindet. Im Spielaufbau läuft fast alles über ihn und ich sehe in ihm den Hauptgrund, warum seine Linie als einzige permanent funktioniert. Heute waren es wieder drei Punkte und das überraschende daran, es waren zwei Tore dabei – aus kürzester Distanz zwar aber… wurscht!

Rotter

Immer voller Einsatz, unser Überflieger Raphael Rotter

 

Schiedsrichter:

„Publikumsliebling“ Shane Warshaw, Milan Zrnic und die Assistenten Ulrich Pardatscher und Damir Rakovic ließen das Spiel zu Beginn ein wenig zu sehr laufen, das Tänzchen zwischen Walker und Peter wäre wohl bei genauerer Regelauslegung in den Minuten davor nicht nötig gewesen. Danach mussten sie durchgreifen und schossen manchmal (etwa bei Cumas Ausschluss beim ersten Aufkeimen von Schirikritik) ein bisserl übers Ziel hinaus. Alles in allem war die Leistung aber ok, und die Zebras wissen wohl am Besten, was Cuma da gesagt hat. Ausgesehen hat das ganze halt „a weng“ kleinlich, tendenziell bin ich in solchen Situationen aber eher Pro-Schiris, denn die Spieler haben… sorry… die Pappn zu halten, PUNKT!
Walker-Peter

Ein Tänzchen in Ehren…

 

Fazit:

Es war auch heute nicht immer hochklassig, der Gegner war nicht sonderlich engagiert aber trotzdem darf man sich diesmal als Eishockeyfan durchaus gut unterhalten fühlen. Jedenfalls hatten wir oben auf unserem Balkon viel Spaß und meiner lieben Sitznachbarin kann ich versichern… spielen unsere SO, will ich sehr wohl, dass sie die Playoffs erreichen 😉

Abschließend möchte ich mich bei Euch verabschieden und mich, wie üblich und angemessen, beim besten Sportfotographen in und außerhalb Donaustadts, Andreas Urban, für die Bereitstellung der tollen Bilder bedanken. Ich würden mich natürlich auch diesmal über Kommentare, sei es Zustimmung, Kritik, Anregungen oder was auch immer sehr freuen (verstehe aber, wenn Ihr über solche Spiele nicht reden wollt)! Wie das geht erfahrt ihr, wenn Ihr es noch nicht sowieso schon wisst, HIER

 

lg und viel Spaß beim lesen

Walu


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7 Gedanken zu “Vienna Capitals vs EC KAC – 3.1.2016

  • spiritofdalmacija

    „Hackl, zuletzt nach seiner Verletzung zweimal im Kader, fehlte diesmal wieder – hoffentlich kein schlechtes Zeichen.“

    Dominic spielte zuvor in Halle 3 in der U20 – und scorte dort einen Hattrick. Glückwunsch an dieser Stelle!

    • Capsforever

      Danke, warst schneller 😉
      Wollte auch schreiben, dass es mMn gut ist, Dominic wieder langsam heranzuführen bzw ihn nicht zu verheizen.
      In der U20 kann er sich obendrein die nötige Spielpraxis holen und der Hattrick (davon übrigens 2 Shorthander) wird ihm auch noch zusätzlich den extra Motivationsschub geben. Bin mir sicher dass er seinen Weg bei den „Großen“ machen wird und er demnächst wieder auch vermehrte Einsätze bekommt.

  • Lenny the Swede

    Danke für den Bericht. Trifft fast alles zu. Zum 1. Mal in meiner ASH-Geschichte sah ich wie Raffi einen Blueliner probierte, aber mit seinen Zahnstocher als Stock wird daraus nichts wesentliches. Gott sei Dank versucht er heuer doch hie und da ein Schuß, und tut nicht allzuviel Ringelreiha spielen.

    • waluliso1972 Beitragsautor

      Einmal hat Rotter heuer so sogar getroffen – sein Jubel damals zeigte aber, dass er selbst am meisten überrascht war 😉
      Du sagst, es trifft „fast alles“ zu, was ich geschrieben hab, was hast Du denn anders gesehen?

  • Lenny the Swede

    Lieber Walu! Ich kann Dich doch nicht ungeteilten Lob erteilen. Ich mach mich zum A….kriecher, Dir schwillt der Kamm bis zur Überheblichkeit. Als Gemeindeangestellter solltest Du auch wissen, daß es als verwerflich angesehen wird, jemand einen Ausgezeichnet in der Dienstbeurteilung zu geben, da man den Beurteilten keinen Raum sich zu verbessern läßt.

    • waluliso1972 Beitragsautor

      Absolut richtig Lenny!
      Weder Ar***kriecherei noch Auszeichnung will ich haben. Aber auf konstruktive Kritik leg ich viel wert. Also wenn du etwas anders gesehen hast, dann nur raus damit! Was meinst´, war das 3:0 Abseits oder nicht? 😉