Vienna Capitals vs EC Dornbirn – 2.2.2016 2


Drei Siege in Serie, daheim sogar schon sechs Spiele in Folge gewonnen und heute kommt auch noch der Tabellensechste nach Wien Donaustadt. Es sollte also angerichtet sein, für den Sturm in Richtung Tabellenspitze (Salzburg muss in Linz ja erst einmal gewinnen). Aber Dornbirn ist ein unangenehmer Gegner mit sehr robusten Verteidigern, einigen sehr torgefährlichen Spielern und (nach den Ausfällen von Sylvester und Petrik nominell nur noch) zwei äußerst starken Linien. Wieder einmal kommt es zum Duell der jungen Goalies Kickert und Madlener – dieses Duell und die Disziplin werden heute wohl die Schlüssel zum Erfolg sein. Mögen die Spiele beginnen und mögen wir gut unterhalten werden…
 

1. Drittel:

Das Spiel begann sehr verhalten, vor allem die Caps agierten sehr vorsichtig und ungewohnt zaghaft. Als in Minute 8 gerade das erste Powerplay der Wiener ohne echte Torchance ausgelaufen war umkurvte der Dornbirner Kevin Macierzynski das Wiener Tor und spielte (da Kickert die kurze Ecke gut zumachte und so den Bauerntrick unterband) auf den völlig vernachlässigten Stefan Häußle und dieser hatte wenig Mühe, seinen schon obligaten Treffer in der Schulz-Halle zu erzielen. Die nächsten Minuten spielten nur noch die Mannen aus dem Ländle, von den Wienern auf dem Eis war nichts zu sehen, von den Wienern auf den Rängen nichts zu hören. Bereits nach 12 Minuten reichte es Coach Boni und er nahm das sichtlich nötige Timeout, aufwecken konnte er seine Jungs allerding vorerst nicht.
Minute 16, tolle Chance von Jamie Arniel – Kickert auf dem Posten!
Minute 18, Arniel mit einer gefährlichen Volleyabnahme – Kickert da!
Minute 19, Gefährlicher Konter des DEC – Kickert rettet.
So hieß es nach den ersten 10 Minuten „nur“ 0:1, ein Spielstand, mit dem die trägen Capitals mehr als gut bedient waren.
 

2. Drittel:

Es konnte aus Wiener Sicht fast nur besser werden und das Mitteldrittel begann auch verheißungsvoll, denn nach 53 Sekunden erzielte Kapitän Ferland den raschen Ausgleich. Davon aufgeputscht gaben die Caps weiter Gas und in Minute 23 überraschte Derek Whitmore DEC-Goalie Madlener am kurzen Eck – so schnell kann es gehen, die Welt dreht sich wieder „normal“. Dann hatte das Schiriteam um Head Warshaw ein paar „starke“ Phasen. Nach überstandener Unterzahl bugsierten die Caps bei einem Befreiungsschlag den Puck via Plexiglas ins Absperrnetz, was allerdings keines der Zebras bemerkte. Es wurde also weitergespielt, Arniel setzte zu einem unwiderstehlichen Sololauf an und überrascht so auch den bis dahin fehlerlosen David Kickert. Der Ausgleich, so schön er war, hätte also nie und nimmer zählen dürfen – eine Meinung, der sich auch Simon Gamache anschloss, wie man sah. Dann wurde hinter dem Dornbirner Tor mächtig geholzt, vor allem Rotter musste einige strafwürdige Attacken über sich ergehen lassen, aber die Pfeife blieb stumm. Rotter leider zum wiederholten Male nicht und so sehr ich seinen Unmut auch verstehe, da hat er zum Wohle des Teams einfach den Mund zu halten… die 2 Minuten hat er sich wirklich verdient. Jetzt übernahmen die Vorarlberger wieder das Kommando und abermals musste Kickert einige Male rettend eingreifen, es war einige Male aber auch viel Glück dabei. In Minute 38 dann aber einer der wenigen guten Angriffe der Hausherren, Fraser wurde von Sharp mustergültig freigespielt und traf aus der Halbdistanz zur sehr glücklichen Führung. In diesem Moment waren wir erstmals Tabellenführer, da Linz gegen Salzburg den Ausgleich erzielen konnte. Das ganze hielt aber nur eine gute Minute, dann passierte dem heute schwachen Iberer einer seiner vielen Schnitzer. Jedenfalls war plötzlich Kyle Greentree alleine vor Goalie Kickert und hatte wenig Mühe, denn 3:3 Pausenstand zu fixieren. Aus Sicht der Caps immer noch sehr schmeichelhaft, wenn man ehrlich ist.
 

3. Drittel:

Im Schlussdrittel war das Glück auf Wiener Seite dann aufgebraucht. Dornbirn weiterhin körperlich stärker, agiler auf den Kufen und in Minute 42 dann schließlich auch verdient in Front. Chris D´Alvise traf zum 4:3, Matt Sidall legte dann zwei Minuten später noch einen Treffer nach. Gegen Drittelmitte hatten die Caps dann Powerplay und in diesem wurde Derek Whitmore sehr unschön von Olivier Magnan am zuletzt verletzten Knie erwischt. Whitmore musste das Spiel beenden, die ausgesprochene 2-Minuten-Strafe gegen Magnan war aufgrund der eventuell schweren Verletzung wohl eine Fehlentscheidung, die ein DOPS-Eingreifen vermuten lässt. Die Caps konnten das folgende 5-gegen-3-Überzahlspiel leider nicht nutzen, die Dornbirner schienen das Match jetzt locker heimspielen zu können und kamen Ihrerseits noch zu zwei gefährlichen Konterchancen. Bereits nach 56:20 ersetzte Boni Goalie Kickert durch einen weiteren Feldspieler und plötzlich wurden die Vorarlberger in Ihrem Drittel eingeschnürt. Nach 57:06 traf Ferland mit seinem zweiten Treffer zum 4:5 und plötzlich kochte die Halle. Jetzt lag wirklich der Ausgleich in der Luft, aber das wäre des Guten wohl zuviel gewesen. Der EC Dornbirn brachte die knappe aber hochverdiente Führung irgendwie über die Zeit und darf sich zu Recht gratulieren lassen.
 

Endstand: EC UPC Vienna Capitals 4 : EC Dornbirn 5

 

Lineup der Caps:

Kickert

Milam – Iberer
Fraser – P. Lakos
Cuma – Peter
Hackl

Gamache – Sharp – Rotter
Nödl – Dzieduszycki – Ferland
Fischer – Johnson – Whitmore
Großlercher – Schiechl – Hartl
(Bolterle)

Dornbirn:

Madlener

Magnan – D`Aversa
Caruso – MacKenzie
Crawford – Lembacher

Greentree – Arniel – Siddall
D´Alvise – Zagrapan – Livingston
Macierzynski – Häußle – Grabher Meier
Jeitzinger – Achermann – Kreuzer
Putnik

 

Mannschafts- und Einzelkritiken:

Caps:

Das war heute so ein Spiel wo überhaupt nichts gepasst hat. Zuletzt haben die Buam aber wirklich gut und vor allem mit vollstem Einsatz gespielt, weshalb ich nach diesem (hoffentlich) Ausrutscher nicht zu hart mit Ihnen ins Gericht gehen will. Unser Paradesturm etwa fand nie einen Weg, um sich gegen die körperlich überlegenen aber TROTZDEM nicht statischen DEC-Verteidiger durchzusetzen. Die zuletzt so gute Verteidiger, speziell das Duo Milam und Iberer, waren heute überraschenderweise oft komplett überfordert. Die vierte Linie konnte gegen die nominell unterlegene Vierte der Vorarlberger keinen Stich machen. Bei Johnson merkt man logischerweise, dass ihm mit Fortdauer des Spiels immer mehr der Saft aufgeht – hieran wird wohl in der Länderspielpause gearbeitet werden. Wirklich konkurrenzfähig war heute nur die Linie mit Nödl, Dzieduszycki und vor allem Ferland, der den bisher stärksten Saisonauftritt hinlegte. Woran dieser kraftlose Auftritt heute lag würde mich allerdings interessieren? Saufen, unterschätzen des Gegners, einsetzen der grassierenden Grippewelle?
 

Dornbirn:

Imponierend, wie stark die Defense des DEC agiert und auch wieviel hochkarätige Chancen dieses Team heute kreieren konnte. Hätte Kickert heute einen schwachen Tag gehabt, das hätte heute ein bitterer Abend für die Caps werden können. Eigentlich jede Dornbirner Linie hatte ihren Wiener Widerpart über weite Strecken fest im Griff, überrascht war ich vor allem von der Performance der dritten Linie, denn in den hinteren Angriffsreihen sah ich vor dem Spiel die größten Vorteile bei den Capitals – ein Irrtum am heutigen Tag. Sehr stark gespielt haben, neben der ganzen Verteidigung, die Herren Siddall, Greentree und vor allem Jamie Arniel, bei dem es nur ein wenig am Abschluss haperte… zum Glück für uns.
 

Goalies:

David Kickert (33 Schüsse, 5 Gegentore, 84,85%) war ein starker Rückhalt und vereitelte eine Vielzahl an Dornbirner Torchancen. Beim Tor von Arniel ließ er sich zwar überraschen, über weite Strecken war er allerdings der beste Wiener. Leider kam von seinen Vorderleuten heute nur sehr wenig Unterstützung.

David Madlener (31 Schüsse, 4 Gegentore, 87,10%) begann heute nicht so sicher, hatte aber durch seine guten Vorderleute die Zeit um richtig ins Match zu finden. Gegen Ende wurde er dann zum soliden Rückhalt seines Teams.
 

Man of the Match – Three Stars:

Einen Stern vergebe ich an Jonathan Ferland und David Kickert. Der Kapitän war heute erstmal wieder ein echter Faktor im Wiener Offensivspiel – leider war er fast der einzige Faktor. Und Kickert… der hat bis auf wenige Ausnahmen bärenstark gehalten und hat die Caps bis zum Schluss im Spiel gehalten.

 

Zwei Sterne vergebe ich an Kyle Greentree und Matt Sidall, die körperlich starken Flügel der ersten Dornbirner Sturmreihe. Beide mit je einem Tor und einem Assist und vielen guten Aktionen – mit ein Grund, warum der Wiener paradesturm heute so gar nicht funktionierte.

 

Drei Sterne und damit Man of the Match: Jamie Arniel! Der hätte heute mit ein bisserl mehr Kaltschnäuzigkeit auch 5 Tore machen können. Schnell, technisch stark und mit gutem Instinkt hat er unsere Defense ein ums andere Mal ausgehebelt. Einziger Schönheitsfehler – sein Tor hätte nicht gelten dürfen (wir erinnern uns, der Puck war zuvor im Begrenzungsnetz).

 

Schiedsrichter:

Ich bin dafür bekannt, dass ich bei den Schiris eher das Licht als den Schatten suche und diese nicht gerne allzu hart kritisiere aber Shane Warshaw, Stefan Siegel und die Assistenten Thomas Loicht und Attila Nagy hatten heute keinen guten Tag. Einige echte Fehlentscheidungen und mehrfache Änderung der Linie machten den Gesamteindruck nach einem gut gepfiffenen ersten Drittel leider komplett kaputt.
 

Fazit:

Es war NUR ein Spiel, aber es war ernüchternd. Man darf in dieser Liga verlieren, gegen Dornbirn sowieso, aber darf man sich als Playoffteilnehmer daheim derart auseinander nehmen lassen? Vielleicht gibt es gute Gründe dafür, vielleicht war es mangelnde Einstellung (quasi KAC-Syndrom), ich weiß es nicht. Die nächsten Spiele werden Aufschluss darüber geben, wahrscheinlich ohne Derek Whitmore, den es wohl wieder schlimmer am Knie erwischt hat.
Aufmerksamen Lesern wird aufgefallen sein, dass der heutige Hallenreport nicht so bunt wie gewöhnlich ist. Der Grund ist der, dass der beste Sportfotograph wo gibt heute wahrlich besseres zu tun hatte, als sich dieses Gegurke anzusehen (kluge Entscheidung, lieber Andreas!). Und mit dem zweitbesten gebe ich mich hier nicht zufrieden. 😉
Ich würden mich natürlich auch diesmal über Kommentare, sei es Zustimmung, Kritik, Anregungen oder was auch immer sehr freuen (verstehe aber, wenn Ihr über solche Spiele nicht reden wollt)! Wie das geht erfahrt ihr, wenn Ihr es noch nicht sowieso schon wisst, HIER

 

lg und viel Spaß beim lesen

Walu


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2 Gedanken zu “Vienna Capitals vs EC Dornbirn – 2.2.2016

    • waluliso1972 Beitragsautor

      Ich habs mir kurz überlegt, lieber Lenny!
      Aber ich hatte Zeit und letztendlich will ich ja nicht als der Oliver Setzinger der Schreiberei (also als „Schönwetterschreiber“) in Erinnerung bleiben 😉
      Bilder von dem Schmarren hat uns Andreas eh erspart…