Vienna Capitals vs Blackwings Linz – 24.1.2016


Nach der unglücklichen aber hochverdienten Niederlage in Znaim mussten die Capitals heute gegen die zuletzt ebenfalls strauchelnden Linzer ran. Hier galt es, deren starke erste Linie in den Griff zu bekommen und Unterzahlspiele so gut wie möglich zu vermeiden. Gelingt das nämlich, ist Linz nur mehr die Hälfte wert, denn deren Secondary Scoring funktioniert (wie allerdings auch bei uns) noch nicht so richtig und bei 5 gegen 5 waren sie in den vergangenen Spielen alles andere als übermächtig. Für mich persönlich gilt es, mich nach einem Abstecher in die KHL wieder in den Niederungen der EBEL zu begeben und nicht allzu kritisch zu sein. Ich werde also versuchen, das Geschehen auf dem Eis wohlwollend und positiv wiederzugeben. Mögen die Spiele beginnen… ach ja, für den geschätzten Leser Andreas habe ich auch diesmal wieder einen (oder zwei?) Fehler eingebaut – viel Spaß bei der Suche 😉

1. Drittel:

Anders als in Znaim verschliefen die Wiener diesmal den Start nicht sondern kamen als das „wachere“ Team aufs Eis. Die ersten zehn Minuten gehörten also ganz klar den Hausherren, die einige Male gefährlich vor Linz-Goalie Ouzas auftauchten. So scheiterte etwa Derek Whitmore bei seinem Heimcomeback nach schöner Pirouette nur knapp, leider seine einzige gute Aktion heute. In Minute 8 holte sich Simon Gamache den Puck aus dem eigenen Drittel, wurde lange bestenfalls halbherzig attackiert und schloss diesen Angriff (als alles schon mit einem Pass rechnete) mit einem verzögerten Wristshot wunderschön und kaum haltbar ab. Gut zwei Minuten später dann die nächste Wiener Großchance aber Milam verfehlte Dzieduszyckis Querpass um wenige Zentimeter. Wenige Zentimeter mit einer großen Wirkung, denn Piché schnappte sich die Scheibe im eigenen Drittel, schickte Kozek auf die Reise und der Ligatopscorer hatte alleine gegen Lawson keine Probleme, den Ausgleich zu erzielen… mit der ersten Linzer Torchance. Jetzt waren die Blackwings allerdings im Spiel angekommen und wir sahen bis Drittelende noch einige ausgeglichene aber torlose Minuten.
Führungstreffer der Caps

 Und da hieß es 1:0

 

2. Drittel:

Im Mitteldrittel ging es ähnlich weiter und die Caps hatten nach einem Lukas-Stockschlag recht schnell eine Powerplaygelegenheit. Und nachdem die erste Angriffswelle noch am uninspirierten Spielaufbau scheiterte, war der zweite Versuch ungleich erfolgreicher. Über Nödl kam die Scheibe zu Jamie Fraser, der spielte von links scharf vor das Tor von wo der Puck unhaltbar in die Maschen befördert wurde. Ob das aber durch Ferland oder den danebenstehenden Linzer bewerkstelligt wurde traue ich mich nicht zu sagen – offiziell war es der Kapitän, soll mir recht sein. Die Stahlstädter durften jetzt eine optische Überlegenheit aufbauen und kamen durch individuelle Fehler der Wiener (Tyler Cuma tat sich da heute leider hervor) zu einigen Chancen. Aber Lawson rettete in diesen Minuten dreimal mit tollen Paraden, zweimal scheiterte Latendresse und einmal war es Hofer, der vom Wiener Fanghandschuh gestoppt wurde. Dazwischen, in Minute 33 bei 4-gegen-4, nahm sich allerdings Flo Iberer ein Herz und erzielte via Blueliner von halbrechts das 3:1, eventuell mit Hilfe von Michi Schiechl, der Ouzas zumindest die Sicht verstellte. Knapp drauf wurde noch ein Linzer Treffer wegen Torraumabseits nach Videostudium zu Recht aberkannt – Brett McLean sah das anders, artikulierte dies etwas zu forsch und holte sich einen Disziplinar-Zehner. Vor allem dank Lawsons Paraden war das aber ein sehr befriedigendes Drittel aus Wiener Sicht.
Moderer und Bois haben Spaß

Spaß unter Freunden? Bois und Moderer haben sich einiges zu erzählen.

 

3. Drittel:

Im Schlussdrittel zeigten die Linzer uns einmal mehr die Powerplaystärke Ihrer Paradelinie. Diesmal war es Andrew Kozek, der Sebastien Piché bediente und dieser traf wuchtig und unhaltbar auf recht kurzer Distanz – es konnten also noch lange knapp 17 Minuten werden. Allerdings standen die Wiener jetzt sehr kompakt und hielten die Linzer beim 5-gegen-5 gut in Schach. Auch das zweite Linzer Überzahlspiel konnte recht souverän überstanden werden, einzig Cumas Schnitzer eröffnete noch eine große Ausgleichschance, aber heute war Lawson extrem stark. Schließlich wurde noch Ouzas für einen zusätzlichen Stürmer geopfert, aber weder Lawson noch die ungesicherte Linzer Torlinie konnte überwunden werden. Haben wir heuer überhaupt schon einen Empty-Netter erzielt? In Wien nicht, wenn ich mich nicht falsch erinnere. Egal, Linz wurde besiegt und Linz wurde in der Tabelle überholt. So soll es sein.
Zwei Freunde

Gegen Ende wurde es nochmal hitzig – hier Piché und Dzieduszycki

 

Endstand: EC UPC Vienna Capitals 3 : EHL Liwest Blackwings Linz 2

 

Lineup der Caps:

Lawson

Milam – Iberer
Fraser – P. Lakos
Cuma – Peter
Hackl

Gamache – Sharp – Rotter
Nödl – Dzieduszycki – Ferland
Fischer – Bois – Whitmore
Grosslercher – Schiechl – Hartl

Linz:

Ouzas

Piché – Dorion
R. Lukas – Palin
Altmann – Fechtig
(Mayrhauser – Kirchschläger)

Kozek – B. McLean – DaSilva
Ulmer – Hisey – Hofer
Gaffal – Oberkofler – Latendresse
Göhringer – P. Lukas – Moderer

 

Mannschafts- und Einzelkritiken:

Caps:

Das war jetzt kein Offensivfeuerwerk, was unsere Stürmer da heute gezündet haben ABER… es war ein kontrolliertes Spiel eines Teams, in dem einige Spieler ihrer Form augenscheinlich hinterherlaufen. Der Rotter-Sturm sorgte erwartungsgemäß für die spielerischen Glanzlichter auf Wiener Seite, wenngleich sich die Gegner schön langsam etwas besser auf dieses Trio einzustellen scheinen – logisch, wenn das die einzige Waffe ist. Umso wichtiger, dass die Linie mit unserem Kapitän langsam ein wenig besser ins Spielen kommt – Luft nach oben ist da aber noch einige. Die Dritte gefällt mir allerdings gar nicht – Whitmore mit einer einzigen guten Aktion in 60 Minuten, Bois und Fischer auch eher mit Stückwerk, dafür heute defensiv sicher. In der Vierten leidet Schiechl sichtlich unter der Formschwäche seiner Nebenleute, vor allem Grosslercher trifft derzeit eine falsche Entscheidung nach der anderen und kann sich auch an der Bande kaum durchsetzen. Schade, das sah heuer schon mal viel besser aus.
In der Defense habe ich mich über den leichten Formanstieg bei Jamie Fraser gefreut – der hielt sein Spiel meist (wahrscheinlich bewusst) einfach und verhinderte so die Schnitzer der letzten Wochen. Auch Lakos, Iberer und Peter waren sehr solide. Das traf heute auf den von mir geschätzten Tyler Cuma leider nicht zu, den dem unterliefen einige haarsträubende Fehler – ich denke er wird Lawson einige Zeit mit Gratisgetränken zu versorgen haben. Tja, und mein Troy… ich „liebe“ ihn und das bleibt auch so, heute war er aber bei beiden Gegentreffern am Eis und beim 1:1 etwas indisponiert. Sonst wars durchaus ok, von ihm bin ich aber besseres gewohnt. Dominik Hackl bekam einige wenige Shifts und ließ sich dabei nichts zuschulden kommen.

Linz:

Das Linz kann man bei Analysen derzeit – und ich denke nicht, dass Coach Daum das gut findet – in zwei unterschiedliche (und unterschiedlich große) Teile zerlegen. Da wäre einerseits die offensiv so starke Einserpanier mit den herausragenden Kozek und Piché. Sind die am Eis, und das sind sie oft, UND sind sie im Angriff, dann brennt der Hut. Speziell in Überzahl ist dieses Quintett kaum zu stoppen, allerdings… defensiv sind sie nicht wirklich sattelfest. Hat man diese Linie im Griff ist das der Schlüssel zum Erfolg.
Der Rest ist ein überaus kompaktes Team mit einigen wirklich guten Einzelspielern. Glücklicherweise (für die Gegner) hapert es derzeit am sogenannten Secondary Scoring. Qualitätsspieler wie Latendresse, Hisey, Ulmer oder Hofer treffen bei weitem nicht so, wie es von ihnen erwartet werden darf. Und hinten wirkt sich der Ausfall von Grant Lewis weit stärker aus, als er es eigentlich dürfte. Ich rechne allerdings damit, dass Linz mit vier Defensiv-Legios in die Playoffs starten wird (mit Lewis oder einem adäquaten Ersatz) und diese Baustelle damit behoben sein dürfte. Fangen dann noch die vier Obgenannten zu scoren an, gehören die Blackwings zu den Topfavoriten in der Liga – wenn nicht, sind die Stahlstädter ähnlich leicht auszurechnen, wie wir derzeit.

Goalies:

Nathan Lawson (26 Schüsse, 2 Gegentor, 92,31%) hatte heute erneut einen richtig starken Tag. Dieses Spiel hätten wir nicht mit jedem Goalie gewonnen, bravo! Und nicht vergessen, der Cuma soll ein paar Saftln pecken! 😉

Michael Ouzas (17 Schüsse, 3 Gegentore, 82,35%) braucht sich heute auch nicht viele Vorwürfe anhören. Die Tore 1 und 2 waren wohl unhaltbar, das Dritte war entweder abgefälscht oder der Schuss zumindest schwer zu sehen. Seine Leistung war jedenfalls besser als seine Statistik.

Ouzas

Schaut schon vor dem Spiel skeptisch: Mike Ouzas

 

Man of the Match – Three Stars:

Einen Stern vergebe ich an Simon Gamache, der mit seiner coolen Einzelaktion nach 8 Minuten die Weichen erstmals auf Sieg stellte. Seine Ruhe vor dem Tor haben in der Liga nur wenige… der folgende Spiele hat sie auch.

Gamache lauert im Hintergrund

Da lauert er im Hintergrund, der Simon

 

Zwei Sterne vergebe ich an Andrew Kozek, den Sniper der Liga. Sein Ausgleich war ein Kozek-typischer ansatzloser Wristshot, dazu noch der schöne Assist zum Linzer Anschlusstreffer im Schlussdrittel… ich kann es nicht oft genug sagen, ich finde den Typen super.

 

Drei Sterne und damit Man of the Match: Nathan Lawson! Die Gründe dafür wurden bereits genannt, eine souveräne Leistung samt einiger Big Saves als „Sahnehäubchen“ lassen heute gar keine andere Wahl zu.

 

Schiedsrichter:

Peter Gebei, Viktor Trilar und die Assistenten Damir Rakovic und Daniel Soos zeigten sich von Beginn an eher von der kleinlichen Seite. Das finde ich durchaus ok, weil dadurch die eine oder andere Nicklichkeit bereits im Keim erstickt werden kann. Natürlich tut eine strenge Regelauslegung den Wiener öfter weh als den Linzern, die zudem ein wahnsinnig starkes Überzahlspiel besitzen, aber das sollte nicht das Problem der Schiedsrichter sein. Wo mir die Konsequenz mal wieder gefehlt hat, war am Bullypunkt. Wie oft hier Spieler weggeschickt werden und wie selten (ich kann mich an ein einziges Mal in den letzten 3 Jahren erinnern) da eine Strafe ausgesprochen wird. Gefallen hat mir hierbei Linesman Rakovic, der das ganze sehr streng (für viele zu kleinlich) durchgezogen hat, aber auch diesmal… keine Strafen. Ich hatte dazu in der Pause ein aufschlussreiches Gespräch mit jemandem, der es WIRKLICH besser weiß. Da wurde von einem Spieler in Gelb gesprochen, der zumindest 9 von 10 Bullys irregulär spielt (Namen nenne ich keine, gute Beobachter wissen sowieso, wer gemeint ist) und eigentlich regelmäßig draußen einsitzen müsste. Aber da fehlt es sämtlichen Spielleitern an den… am Mut. Eigentlich schade, denn der Lerneffekt wäre nach der zweiten oder dritten ausgesprochenen Strafe wohl nachhaltig gegeben. Ok, das führt aber ein bisserl zu weit, die heutige Schiedsrichterleistung fand ich persönlich jedenfalls recht ok.
Plausch mit dem Ref

Gepflegtes Plauscherl mit Peter Gebei

 

Fazit:

Das war heute sicher nicht die wichtigste Partie des Jahres aber nach der Niederlage in Znaim war es aus Wiener Sicht nicht ganz unwichtig, dass man ein spielerisches Lebenszeichen von sich gegeben hat. Linz wird in den nächsten Spielen ein bisserl aufpassen müssen, um nicht eventuell in eine Abwärtsspirale zu geraten. Die Linzer Stärken sind jetzt ligaweit bekannt und ohne eine gefährliche zweite Reihe wird es nicht leicht für sie werden. Selbstverständlich gilt das auch für Wien, denn auch da läuft viel zu viel über viel zu wenige Spieler. Die Rückkehr von McLean (oder die Verpflichtung eines adäquaten Ersatzes) und eine eventuelle „Formfindung“ von Whitmore sind allerdings Lichter am Horizont – die Saison wird weiterhin spannend bleiben, und das ist gut so!
Abschließend möchte ich mich bei Euch verabschieden und mich, wie üblich und angemessen, beim besten Sportfotographen in und außerhalb Donaustadts, Andreas Urban, für die Bereitstellung der tollen Bilder bedanken. Ich würden mich natürlich auch diesmal über Kommentare, sei es Zustimmung, Kritik, Anregungen oder was auch immer sehr freuen (verstehe aber, wenn Ihr über solche Spiele nicht reden wollt)! Wie das geht erfahrt ihr, wenn Ihr es noch nicht sowieso schon wisst, HIER

 

lg und viel Spaß beim lesen

Walu

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