1. VF: Vienna Capitals vs EC VSV – 26.2.2016 2


Ist es Winter? Ist es Frühling? Nein, it´s Playoff-Time, die fünfte Jahreszeit beginnt heute und wie lange sie dauert liegt vor allem in der Macht der beteiligten Akteure. Mit der Wahl des VSV haben mir die Capitals eine große Freude bereitet, denn ehrlich… Boni vs. Holst… das bürgt schon für den einen oder anderen Sager abseits des Eises. Was sich auf dem Eis tun wird, darauf bin ich sehr gespannt, denn Villach war schon lange nimmer in Wien zu Gast und hat sich in der Qualifikationsrunde überaus souverän präsentiert. Trotzdem, die MUSS man als selbsternannter Meisterkandidat daheim einfach schlagen und ebendies erhoffe, nein: ERWARTE ich mir vom heutigen Spiel. Bis auf Lakos und den erkrankten Lawson treten die Hausherren in Bestbesetzung an und auch bei Villach scheint der Kader vollständig angereist zu sein. Den Report werde ich aus Zeitmangel diesmal etwas kürzer halten, gleichwohl… mögen die Spiele beginnen…
 

1. Drittel:

Das Spiel begann mit einem ereignislosen Überzahlspiel der Caps, danach übernahm aber vorerst der VSV das Kommando. In Minute 6 dann die erste Wiener Torchance, Schiechl scheitert nach Pass von Gamache. Das erste Unterzahlspiel verlief glücklicherweise dann ebenfalls ereignisarm, das Spiel selbst war flott aber zerfahren und reich an technischen Fehlern. Die einzigen Höhepunkte dann in Minute 17, wieder im Villacher Powerplay. Weihager traf die Latte und Sekunden später musste Milam per Hand klären. Hier hätte ein Treffer fallen können, ansonsten gab es in den ersten 20 Minuten kaum zwingende Aktionen. Zumindest von Hausherren war erschreckend wenig zu sehen.
Gamache

Ein schöner Pass auf Schiechl, sonst relativ neutralisiert: Simon Gamache

 

2. Drittel:

Im Mitteldrittel waren es die Caps, die die erste Torchance hatten, das erste Tor erzielte aber Villacher. Patrick Platzer bekam im Slot viel zu viel Raum und konnte so Bachers Hereingabe problemlos verwerten. Jetzt waren die Hausherren einige Minuten nur Zuseher, komplett von der Rolle, in dieser Phase stand allerdings Kickert sehr gut, zum Beispiel bei einer Chance des jungen Kromp oder einer gefährlichen Aktion von Pance. Dem steht nur ein von Lamoureux gehaltener Backhand-Schlenzer von Sharp gegenüber. In Minute 35 fiel dann doch der Ausgleich und es war die vierte Linie – Mario Fischer überlistete den VSV-Goalie aus kurzer Distanz via Innenstange. Die Caps jetzt etwas offensiver, dafür aber etwas anfällig für schnelle Konter. So auch in Minute 38 als Santorelli mit einem Backhandpass über das halbe Spielfeld Christoph Kromp bediente, dieser der Abwehr auf und davon lief und Kickert im 1-gegen-1 keine Chance ließ – schönes Tor! Nach 40 Minuten also 1:2, wer hätte das gedacht… das Spiel immer noch schnell, aber auch reich an Fehlern und sehr arm an spielerischen Höhepunkten.
Jubel VSV

Jubel nach Platzers 1:0

 

3. Drittel:

Im Schlussdrittel versuchten die Caps, das Spiel etwas an sich zu reißen, sie agierten meist aber viel zu kompliziert und kaum zwingend. Der VSV wiederum konnte sich jetzt zurückziehen und das bewährte Konterspiel aufziehen, was auch schnell zu einem weiteren Aluminium-Treffer (Santorelli) führte. In Minute 50 konnten sie sogar einen 3-Mann-Konter fahren, über McKiernan und Hunter kam der Puck zu Ziga Pance und der musste nur noch einschieben – 1:3. In den letzten Minuten entwickelte sich dann sogar noch ein richtiges Eishockeyspiel, die Caps erzeugten richtig Druck, der VSV stemmte sich dagegen. In Minute 56 hatte Kromp nach einem Wiener Abspielfehler eine erneute Konterchance, das war dann aber der Startschuss für die Schlussoffensive der Caps, die bereits 3:15 vor Schluss (erstmals) Goalie Kickert vom Eis nahmen. 3:12 vor Schluss hieß es 2:3, Rotter traf aus kurzer Distanz. Dieser nahm wenig später allerdings eine dumme Strafe, was den Angriffsbemühungen zwischenzeitlich einen Riegel vorschob. Die letzten 40 Sekunden waren dann nochmal spannend und hitzig, Kickert verließ erneut seinen Kasten, Gamache und Milam trafen nicht und dann verhinderte der Linesman durch grottenschlechtes Stellungsspiel auch noch, dass Milam den Puck im Angriffsdrittel hält. Dadurch war das Spiel verloren, die Reaktion von Milam allerdings trotzdem falsch. Näher kommentieren will ich das nicht, man wird sehen, ob und welches Nachspiel diese Aktion haben wir. Gratulation nach Villach, der Sieg war hochverdient!
Rotter-Action

Erst Tor, dann Strafe – Rotter immer im Mittelpunkt

 

Endstand: EC UPC Vienna Capitals 2 : EC VSV 3

 

Lineup der Caps:

Lawson Kickert

Milam – Iberer
Fraser – Klimbacher
Cuma – Peter
(Hackl)

Gamache – Sharp – Rotter
Nödl – Dzieduszycki – Ferland
Whitmore – Johnson – Bois
Fischer – Schiechl – Hartl
(Großlercher)

VSV:

Lamoureux

Unterluggauer – Weihager
Brunner – McKiernan
Schlacher – Bacher
(Kreuter)

Platzer – McBride – Nageler
Kromp – Hunter – Santorelli
Pance – Schofield – Petrik
Alagic – Verlic – Johner
(Leiler)

 

Mannschafts- und Einzelkritiken:

Caps:

Das war KÄSE! Die einzige Angriffsreihe, die die Erwartungen erfüllen konnte, war die vierte, die mit den erhaltenen Toren nichts zu tun hatte und durch Fischer sogar den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte. Aber gerade Fischer muss sich ein bisserl am Riemen reißen, denn drei Strafen binnen knapp 45 Minuten sind einfach zu viel. Die Rotter-Linie war heute zu kompliziert unterwegs, der Ferland-Sturm zu langsam und die Bois-Reihe trotz drei Legios völlig wirkungslos. Das ist ernüchternd.
Und auch die Defense war heute wenig sattelfest. Wie bei der letzten „Pause“ von Lawson wurde auch dieses Mal Ersatzgoalie Kickert nicht unterstützt sondern viel zu oft im Stich gelassen. Ist das gar ein psychologisches Problem? Tja, und wenn Milam Sekunden vor Schluss aus aussichtsreicher Position INS und nicht ÜBERS Tor trifft, hätte er sich den eventuell auf ihn zukommenden Ärger ersparen können.
 

Villach:

Der VSV war heute in fast allen Belangen das bessere Team, der Wille schien höher, das Tempo sowieso und auch taktisch waren sie heute vorne. Interessant finde ich die Linienzusammenstellung, die Greg Holst da vorgenommen hat. Mir wäre gestern nicht wirklich aufgefallen, wer hier Angriffsreihe 1 oder 4 sein soll (habe daher die offizielle Lineup-Reihung übernommen). So wars eher ein großes Kollektiv ohne besonders herausragenden Spieler, aber auch ohne signifikante Schwachstelle. Eigentlich darf das gegen die stärksten Ligateams nicht reichen, sind die Capitals allerdings unterwegs wie heute, dann wird es das sehr wohl. Besonders aufgefallen sind mir heute die Stürmer Hunter, Pance, Santorelli und Kromp, hinten hat mich besonders Weihager interessiert, der aber nur im Powerplay positiv aufgefallen ist. Generell fand ich da McKiernan stärker.
Patrick Platzer

Mit Platzers 1:0 begann der Wiener Untergang

 

Goalies:

David Kickert (35 Schüsse, 3 Gegentore, 91,43%) musste für den erkrankten Lawson einspringen und machte dies nicht schlecht. Warum allerdings seine Vorderleute mit schöner Regelmäßigkeit auslassen, wenn ER im Kasten steht? Mysteriös!
Kickert

Guter Lawson-Ersatz: David Kickert

 
Jean Philippe Lamoureux (27 Schüsse, 2 Gegentore, 92,59%) war der unaufgeregte sichere Rückhalt, den der VSV heute gebraucht hat und der er eigentlich fast immer ist. Fast ein bisserl emotionslos, aber vielleicht deshalb umso konzentrierter. Was man so hört darf sich Salzburg freuen…
JP Lamoureux

Souverän wie üblich, JP Lamoureux

 

Man of the Match – Three Stars:

Einen Stern vergebe ich an David Kickert, weil er für mich heute eine gute Leistung zeigte und der stärkste Wiener auf dem Eis war.

 

Zwei Sterne vergebe ich an Jean Philippe Lamoureux , weil er einfach nochmal eine Spur sicherer, souveräner und abgebrühter wirkte als sein 60 Meter entfernter Kollege.

 

Drei Sterne und damit Man of the Match: Christoph Kromp! Der junge Kärntner erzielte nicht nur ein wunderschönes Kontertor sondern hätte noch zwei gute Tormöglichkeiten gehabt und war mit seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit ein ständiger Unruheherd. Diese Wahl ist aber heute wirklich reine Geschmackssache, denn so richtig herausgestochen ist kein Spieler. Ich hätte durchaus auch Pance, Hunter oder McKiernan wählen können und wäre ebenso wenig richtig oder falsch gelegen.

 

Schiedsrichter:

Viktor Trilar und Milan Zrnic leiteten die Partie meiner Ansicht nach streng ,gerecht und humorlos und erstickten aufkeimende „Playoff-Freundschaften“ meist schon im Keim. Die LinesmanMichael Hofstätter und Damir Rakovic konnten sich diesem Niveau leider nicht wirklich anpassen, deren Arbeit beim Bully und deren Stellungsspiel war zeitweise nicht sooo gelungen. Das fand in den Schlusssekunden auch Troy Milam, dessen Art der „Kritik“ war allerdings die am wenigsten geeignete – ein Nachspiel darf befürchtet werden.
 

Fazit:

Ich bin bekanntlich primär Eishockeyliebhaber und erst sekundär Caps-Fan, daher kann ich mit Niederlagen problemlos umgehen – wenn wenigstens das Spiel schön war. Vielleicht hätte ich mir in den letzten Tagen vorsorglich den Konsum der KHL-Playoff-Spiele 2 und 3 zwischen Slovan Bratislava und CSKA Moskau sparen sollen, denn mit diesen Bildern im Hinterkopf (Radulov, Mursak… zum Zunge schnalzen!) war das heutige Spiel kaum zu ertragen. Über weite Strecken war das heute ein, in (zugegebenermaßen) beachtlichen Tempo vorgetragenes, Gemurkse, wo Chancen großteils aus Fehlern entstanden und von Seiten der Wiener viel zu kompliziert gespielt wurde. Dass es auch besser geht blitzte ab und zu auf, aber letztendlich war ich vom Spiel noch viel enttäuschter als vom Ergebnis. Vielleicht bin ich zu kritisch, vielleicht waren es die Villacher, die nicht mehr zugelassen haben, aber mir hats heute absolut NICHT gefallen.
Abschließend möchte ich mich bei Euch verabschieden und mich, wie üblich und angemessen, beim besten Sportfotographen in und außerhalb Donaustadts, Andreas Urban, für die Bereitstellung der tollen Bilder bedanken. Ich würde mich natürlich auch diesmal über Kommentare, sei es Zustimmung, Kritik, Anregungen oder was auch immer sehr freuen (verstehe aber, wenn Ihr über solche Spiele nicht reden wollt)! Wie das geht erfahrt ihr, wenn Ihr es noch nicht sowieso schon wisst, HIER

 

lg und viel Spaß beim lesen

Walu


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2 Gedanken zu “1. VF: Vienna Capitals vs EC VSV – 26.2.2016

  • Lenny the Swede

    Kurz und bündig Dein Bericht. Daher mein Statement ebenfalls: So was von Nichteinstellung auf den Gegner spricht Bände. Ist der Boni am Ende mit sein Latein? Wo bleibt der Feuer? Milam sein Fehler habe ich und meinen Beisitzer „Juniorswede“ völlig ausgeblendet, aber die Auswirkungen sehr wohl mitgesehen. Er (der Milam) fehlt an alle Ecken und Enden.
    Habe letztes Jahr zwar „das Wunder im Stuhlweisenburg“ miterlebt, aber nach dem Auswärtsspiel in Villach fehlt mir irgendwie der Glaube. Werde zwar heute Abend mit möglichst positive Gefühle in der Halle gehen, aber ich fürchte das es das letzte Heimspiel in der heurigen Saison werden wird. Muß wahrscheinlich wieder nach Salzburg fahren, um einen Siegesfeier wieder miterleben zu dürfen. War ja damals sehr lustig mit den 2 Schweden bei den Bullen.

    • waluliso1972 Beitragsautor

      Eins hätt ma mal aufgeholt…
      Aber wieder so ne „neutrale“ Auswärtsfahrt hätt schon was… wobei ich das heuer ein ein paarmal Richtung KHL hatte – mal sehen, du wärst also dabei!?!